Die ARD will am Mittwoch einen Spielfilm über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule zeigen. Doch zwei Ex-Schüler gehen rechtlich gegen die Produktion vor.

Köln (dpa) - An dem ARD-Drama "Die Auserwählten" über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule gibt es Kritik von ehemaligen Schülern. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" sehen zwei Ex-Schüler ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Beide hätten sich in dem Film wiedererkannt und rechtliche Schritte gegen den Film, der am Mittwoch (20.15) ausgestrahlt werden soll, eingeleitet. Notfalls erwäge einer der betroffenen Schüler sogar ein gerichtliches Verbot.

Der WDR bestätigte am Sonntag den Eingang eines anwaltlichen Schreibens, in dem es um die Persönlichkeitsrechte von zwei Ex-Schülern gehe. Das Schreiben werde juristisch geprüft. Der Sender verwies darauf, dass der Film "ganz bewusst kein biografisches Einzelschicksal nachzeichnet". Er sei eine "rein fiktive Aufarbeitung des Stoffs". Mehrere Betroffene hätten den Film "als wertvollen Beitrag für den Umgang mit der Vergangenheit an der Odenwaldschule" bezeichnet. Es werde kein Schüler personalisiert und kein Übergriff gezeigt, sagte eine Sprecherin.

Der Anwalt eines Ex-Schülers sagte dagegen dem "Spiegel", die Darstellung seines Mandanten, ein Opfer des damaligen Missbrauchs, sei nicht weniger als die "Ausbeutung eines Lebensschicksals". Die Beweislage sei "derart erdrückend", dass der zuständige WDR-Intendant Tom Buhrow eine Lösung herbeiführen müsse.

Der zweite Schüler wehrt sich dagegen, im Film fälschlicherweise zum Opfer gemacht zu werden. Er sei, anders als dargestellt, nicht missbraucht worden. Da er in den 1980er Jahre der einzige Punk an der Odenwaldschule gewesen sei, könne er wiedererkannt werden.

Regisseur des Films mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle ist Christoph Röhl, der 2011 einen Dokumentarfilm über die Odenwaldschule gedreht hat.

Die Recherchen für den Dokumentarfilm sowie eine intensive Zusammenarbeit mit Betroffenen seien in das Drehbuch eingegangen, teilte der WDR mit. "Indem der Film typisches Täterhandeln sowie die Situation von Missbrauchsopfern darstellt, ist es unausweichlich, dass sich Betroffene in verschiedenen exemplarischen Szenen wiedererkennen", heißt es in der Mitteilung.

An dem hessischen Internat war im Jahr 2010 ein lange unter der Decke gehaltener Missbrauchsskandal hochgekocht. Vor Jahrzehnten hatten sich Lehrer demnach an mindestens 132 Schülern vergriffen.© dpa