Um Ungereimtheiten und Ermittlungspannen im Fall Natascha Kampusch aufzudecken, wurde Mitte 2012 eine Evaluierungskommission berufen. Am Montag wird der Bericht präsentiert. Bezüglich einer Mittäterschaft soll es keine neuen Erkenntnisse geben. Dafür steht ein Freund des Entführers Wolfgang Priklopil unter Betrugsverdacht.

Obwohl der Evaluierungsbericht erst am Montag erscheint, wurden laut "ORF.at" schon jetzt einige Einzelheiten bekannt. Aus dem Umfeld von Innenministerium und Justiz, soll ein Betrugsverdacht gegenüber Ernst H., des besten Freundes Wolfgang Priklopils, bestätigt worden sein.

H. habe den Tod des Entführers ausgenutzt, um sich ungerechtfertigt zu bereichern. Obwohl H. rund 50.000 Euro Schulden bei Priklopil gehabt habe, soll er angegeben haben, sein Freund schulde ihm Geld. Weil diese Behauptung im Verlassenschaftsverfahren anerkannt wurde, bekam H. Eigentumsrechte an einer Wohnung, an der Priklopils Mutter Margarete nun nurmehr ein Wohnrecht besitzt. Ein Vergleich der Steuererklärungen von H. und Priklopil soll das Expertenteam zu diesen Erkenntnissen gebracht haben.

Die Ermittler verdächtigen H. laut "Kurier.at", den Nachlassverwalter Priklopils mit Überweisungen an den Verstorbenen getäuscht zu haben, die er fälschlicherweise als Zahlungen für den Wohnungskauf ausgegeben habe.

Ein Verdacht auf Mittäterschaft gegen H. oder eine andere Person erhärtete sich unterdessen anscheinend nicht. Auch Natascha Kampusch selbst wies die Mehrtäter-Theorie schon mehrmals hartnäckig zurück. So erklärte sie sich im Interview mit "Thema": "Alle wissen, was mir passiert ist, dass ich achteinhalb Jahre gefangen war. Ich hab gesagt, was ich sagen konnte, was ich wusste. Ich würde so was nie tun. Ich würde nie verhindern, dass solche Verbrecher zur Rechenschaft gezogen werden, und würde alles daransetzen, dass das anderen Leuten nicht passiert."

(lug)