Der berühmteste Behindertensportler der Welt muss ins Gefängnis: Oscar Pistorius wurde wegen der fahrlässigen Tötung seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Die Verteidigung hat jetzt zwei Wochen Zeit, um Berufung einzulegen.

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Pistorius muss ins Gefägnis

Sprintstar wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin verurteilt.

10:47 Uhr: Die Verteidigung hat jetzt zwei Wochen Zeit zu entscheiden, ob sie Berufung einlegen wird. Pistorius kann sich noch kurz von seiner Familie verabschieden, dann wird er in seine Zelle abgeführt. Laut Urteilsspruch hat er seine Haftstrafe sofort anzutreten.

10:40 Uhr: Oscar Pistorius nimmt das Urteil mit versteinerter Miene entgegen. Seine Angehörigen wirken auch relativ gefasst. Die Richterin beendet die Verhandlung.

10:38 Uhr: Oscar Pistorius muss direkt aus dem Gerichtssaal in Haft gehen.

10:37 Uhr: Wie erwartet kommen unmittelbar nach dem Urteil Anträge der Verteidigung.

10:36 Uhr: Im Punkt des illegalen Waffenbesitzes wird die Strafe auf drei Jahre auf Bewährung festgesetzt.

10:35 Uhr: Das Urteil: Pistorius wird wegen der fahrlässigen Tötung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Richterin: Bewährung ist nicht angemessen

10:32 Uhr: Jetzt steht es fest: Keine Bewährung. Masipa sagt, eine Aussetzung der Haftstrafe wäre in diesem Fall nicht angebracht.

10:30 Uhr: Jetzt geht Richterin Masipa auf einen weiteren aufgeführten Präzedenzfall ein, bei dem ein Mann seine Frau erschossen hatte, weil er sie für einen Einbrecher hielt. Auch das Bewährungsurteil aus diesem Fall hält Masipa nicht für angemessen im Fall Pistorius. Es sieht jetzt ganz nach einer Gefängnisstrafe für Pistorius aus.

10:27 Uhr: Vor allem wegen dieses Unterschieds sagt Masipa, seien die beiden Fälle nicht mehr vergleichbar und deshalb müssten auch die Urteile unterschiedlich ausfallen.

LIVE: Geiselnahme in Sydney beendet

LIVE: Geiselnahme in Australien © Reuters

10:25 Uhr: Der größte Unterschied: In dem Präzedenzfall wurde nur ein Schuss abgefeuert - bei Pistorius waren es vier. Der erste Schuss von Pistorius hätte noch nicht zwingend zu Steenkamps Tod geführt.

10:23 Uhr: Mit ihrer Ausführlichkeit sorgt Masipa für Verwirrung: Die ersten südafrikanischen Medien haben das Urteil aus dem vergleichbaren Fall, den die Richterin zusammengefasst hat, als Urteil für Pistorius vermeldet und müssen jetzt zurückrudern. Jetzt erklärt die Richterin, in welchen Punkten sich die Fälle unterscheiden.

10:21 Uhr: In einem Fall, den Masipa noch einmal ausführlich zusammenfasst, hatte die Angeklagte ein Kind erschossen, weil sie dachte, es handle sich um einen Einbrecher. Der Angeklagte wurde zu drei Jahren auf Bewährung und 300 Stunden Sozialarbeit verurteilt. Ist das ein Hinweis, in welche Richtung das Urteil heute gehen könnte?

10:16 Uhr: Jetzt geht die Richterin auf vergleichbare Fälle ein, die von Verteidigung und Anklage als Präzedenzfälle angeführt wurden.

10:13 Uhr: Die Richterin fasst noch einmal ihr Vorgehen bei der Urteilsfindung zusammen. Die Schwere des Verbrechens und seine Folgen, die persönlichen Umstände von Pistorius und Steenkamp, das Abwägen, welche Strafe angemessen und gesellschaftlich am sinnvollsten ist.

10:11 Uhr: Masipa beschreibt Reeva Steenkamp als junge Frau in der Blüte ihres Lebens mit einem großen Sinn für Familie - umso schwerer sei der Abschied der Familie gefallen. Das müsse auch in ihr Urteil einfließen. Auf der anderen Seite sagt sie auch, dass kein Urteil Steenkamp zurück bringen kann.

10:08 Uhr: Die Richterin sagt, sie verstehe, wenn die Öffentlichkeit für Verbrechen harte Strafen fordert, man könne es der Öffentlichkeit aber auch nicht immer recht machen. Sie halte sich bei ihrer Beurteilung einzig an die Verfassung und die Gesetze Südafrikas.

10:05 Uhr: Richterin Masipa fasst noch einmal die Vergehen von Pistorius zusammen und stellt klar, dass die fahrlässige Tötung ein schwerwiegendes Verbrechen ist - auch wenn sie zu Gunsten des Angeklagten davon ausgeht, dass er tatsächlich glaubte, hinter der Badezimmertür habe sich ein Einbrecher versteckt.

10:02 Uhr: Der Einfluss von Pistorius auf die Gesellschaft ist nach Ansicht der Richterin positiv und bei einer Einstufung seiner Strafe nicht zu vernachlässigen.

Richterin: Haftstrafe ist Pistorius trotz seiner Behinderung zuzumuten

9:59 Uhr: Masipas Fazit zur Frage, ob Pistorius eine Haftstrafe überhaupt zuzumuten wäre: "Ich habe keinen Grund zu glauben, dass das unsere Behörden vor ein unlösbares Problem stellen könnte."

9:57 Uhr: Auch Pistorius' Behandlung wäre kein Grund, ihn nicht ins Gefängnis zu schicken: Laut der Richterin könnten externe Ärzte ihn in Haft besuchen und weiter behandeln.

9:54 Uhr: Lob gibt es für Südafrikas Gefängnisse, die nach Ansicht der Richterin durchaus geeignet wären, dass Pistorius eine eventuelle Haftstrafe absitzen könnte.

9:51 Uhr: Jetzt gibt es eine Ohrfeige für die Gutachterin der Verteidigung, die ausgesagt hatte, dass eine Gefängnisstrafe für Pistorius alleine wegen seiner Behinderung unmenschlich wäre, weil die Gefängnisse nicht mit den besonderen Umständen umgehen könnten. Richterin Masipa beurteilt diese Aussage als schlecht informiert, veraltet und ungenau - insgesamt als kaum vertretbar für eine Frau mit 28 Jahren Berufserfahrung.

9:47 Uhr: Masipa kommt auf die persönlichen Umstände von Oscar Pistorius zu sprechen: beide Beine amputiert, lebt bei seinem Onkel, aktuell ohne Einkommen und in Folge der hohen Kosten seiner Verteidigung ohne persönliches Vermögen. Hier könnte die Richterin zu dem Schluss kommen, dass alleine die Folgen der Verfahrens eine ausreichende Strafe für Pistorius darstellen könnten.

9:45 Uhr: Jetzt fasst die Richterin die Folgen der Tötung für Steenkamps Familie zusammen. Speziell dieser Punkt könnte eine große Rolle für die Höhe des Urteils spielen.

9:43 Uhr: Oscar Pistorius folgt der Verkündung ohne sichtbare Gefühlsregung. Je näher die Richterin zu dem Zeitpunkt ihrer Urteilsverkündung kommt, umso nervöser dürfte er aber werden.

9:40 Uhr: Jetzt fasst sie noch einmal die Aussage des Sozialarbeiters Joel Maringa zusammen, der ausgesagt hatte, ein eventueller Hausarrest für Pistorius wäre im Haus dessen Onkels leicht überwachbar und seiner Meinung nach angemessen.

9:39 Uhr: Die Richterin fasst die Aussagen der Psychologin Lore Hartzenberg zusammen, die bei Pistorius eine Depression diagnostiziert hat, weil er durch seine Tat nicht nur seine Frau, sondern auch die meisten seiner Freunde verloren habe.

9:37 Uhr: Will sich Masipa hier schon einmal vor der öffentlichen Reaktion in Schutz nehmen? Sie erklärt, wie kompliziert es ist, ein angemessenes Strafmaß zu finden und dass es dafür keinen wissenschaftlichen Leitfaden gibt.

9:35 Uhr: Jetzt zählt die Richterin noch einmal auf, welche Zeugen zur Bestimmung des Strafmaßes gehört wurden.

9:32 Uhr: Masipa zählt auf, welche Voraussetzungen en gerechtes Urteil erfüllen soll: gerechte Strafe, Genugtuung für die Angehörigen der Getöteten, Berücksichtigung der Sozialprognose.

9:30 Uhr: Die Richterin verliest noch einmal die Delikte, derer Oscar Pistorius schuldig gesprochen wurde. Das schwerwiegendste davon ist natürlich die fahrlässige Tötung.

Der Prozess beginnt

9:29 Uhr: Richterin Masipa betritt den Saal. Es geht los.

9:27 Uhr: Alle Prozessbeteiligten sind im Gerichtssaal. Sobald auch Richterin Masipa eintrifft, beginnt die Verhandlung.

9:25 Uhr: Prozessbeobachterin Mandy Wiener berichtet von einer angespannten Atmosphäre im Gerichtssaal. Sie ist sich aber auch sicher, dass die Verhandlung heute noch nicht enden wird. Egal, wie das Urteil ausfällt: Eine der beiden Parteien wird mit Sicherheit Berufung einlegen.

9:18 Uhr: Auch Fans von Oscar Pistorius sind im Verhandlungssaal. Eine ältere Dame hat einen Strauß weißer Rosen auf die Anklagebank gelegt.

9:16 Uhr: Die Verwandtschaft von Oscar Pistorius - alle seine vier Brüder, Arnold, Leo, Theo und Henke - ist schon im Gerichtssaal angekommen und nimmt jetzt ihre Plätze ein. Auch die Angehörigen von Steenkamp sind bereits eingetroffen und erwarten den Beginn der Verhandlung.

9:08 Uhr: Oscar Pistorius kommt, abgeschirmt von Polizisten, im Gericht an. Wie an jedem Gerichtstag trägt er einen dunklen Anzug. Die Anspannung ist ihm deutlich anzumerken.

9:03 Uhr: Die meisten Zuschauer und Gerichtsteilnehmer sind eingetroffen. Nur Oscar Pistorius fehlt noch.

8:56 Uhr: Der Andrang vor Gericht ist riesig. Auch Pistorius' Tante Lois und ihr Ehemann Arnold sind inzwischen eingetroffen.

8:30 Uhr: Reeva Steenkamps Cousine Kim Martin und ihr Ehemann sind am Gericht angekommen.

8:06 Uhr: Oscar Pistorius wird gegen kurz vor 9:00 Uhr am Gerichtsgebäude erwartet.

7:20 Uhr: Sollte Oscar Pistorius zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden - die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre - wird der Behindertensportler wohl Berufung einlegen. Allerdings muss dann erneut entschieden werden, ob Pistorius bis zum nächsten Gerichtstermin auf Kaution freikommt.

7:00 Uhr: Vor der Tür des Gerichtsgebäudes in Pretoria hat sich bereits die internationale Presse versammelt. Laut Journalist Barry Bateman, der den Prozess intensiv verfolgt, wird erwartet, dass Richterin Thokozile Masipa etwa eine Stunde braucht, um das Strafmaß gegen Oscar Pistorius zu verkünden.

Es wird ernst für Pistorius

Schicksalsstunde für Oscar Pistorius: Rund 20 Monate nach der Erschießung seiner Freundin erfährt der südafrikanische Paralympics-Star an diesem Dienstag sein Strafmaß. Im Finale seines international stark beachteten Prozesses gibt Richterin Thokozile Masipa bekannt, ob sie der Anklage folgt und Pistorius für zehn Jahre ins Gefängnis schickt, oder welche andere Strafe sie für ihn beschlossen hat. Möglich ist auch, dass sie sich der Verteidigung anschließt und dem Behindertensportler das Gefängnis erspart.

Pistorius hatte in der Valentinsnacht 2013 vier Schüsse aus einer großkalibrigen Pistole durch eine geschlossene Toilettentür seiner Villa bei Pretoria abgefeuert und damit seine 29-jährige Freundin Reeva Steenkamp getötet. Die Richterin folgte seiner unter Tränen vorgebrachten Beteuerung, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet. Sie wies die Mordanklage der Staatsanwaltschaft zurück und sprach den beinamputierten Sportler am 12. September lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig.

Darauf stehen in Südafrika maximal 15 Jahre Haft. Richterin Masipa könnte den 27-jährigen Angeklagten aber auch mit Hausarrest und gemeinnütziger Arbeit bestrafen. Das hatte die Verteidigung als angemessen dargestellt.

Pistorius' Anwalt Barry Roux erklärte, sein Mandant bedauere sein fahrlässiges Verhalten zutiefst. Der Tod seiner Geliebten sei jedoch Folge eines "tragischen Irrtums" gewesen. Zudem behauptete die Verteidigung, Pistorius werde im Gefängnis aufgrund seiner Behinderung Gewalttaten von Mithäftlingen schutzlos ausgesetzt sein.

Staatsanwalt Gerrie Nel rief die Richterin hingegen eindringlich auf, Pistorius so zu bestrafen, wie dies die Mehrheit der Südafrikaner erwarte. "Zehn Jahre sind das Minimum", sagte der Chefankläger in seinem Schlussplädoyer.

Anklage und Verteidigung können bis zu zwei Wochen nach Bekanntgabe des Strafmaßes Berufung einlegen. Dann würde dies die Vollstreckung aussetzen. Bis zur Verhandlung vor dem Obersten Gericht könnten zwei Jahre vergehen, schätzen Experten. In dieser Zeit würde Pistorius auf jeden Fall weiter auf Kaution in Freiheit bleiben können. (mom/ska/dpa)