Das Strafmaß im Prozess gegen Oscar Pistorius ist verkündet. Für die fahrlässige Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp muss der Paralympics-Sprinter für fünf Jahre ins Gefängnis. Die Reaktionen aus der nationalen und internationalen Presse fallen unterschiedlich aus.

"Die Welt": "Oscar Pistorius hat einen fairen Prozess bekommen Südafrika wollte eine funktionierende Justiz präsentieren. Das ist weitgehend gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch dann öfters passiert, wenn nicht die ganze Welt zuschaut."

"bild.de": "Pistorius sollte dankbar sein. Er hat verdammt viel Glück gehabt. Pistorius hat einen wehrlosen Menschen, der sich in einer Toilette eingeschlossen hat, abgeknallt. Niedergeschossen wie einen tollwütigen Hund. Allein dafür musste er mit Knast bestraft werden."

"Süddeutsche Zeitung": "Zwischen Ruhm und Gerechtigkeit. Ein extrem hartes, vor allem aber ein allzu mildes Urteil hätte die öffentliche Glaubwürdigkeit des Gerichts nach Überzeugung von Prozessbeobachtern beschädigt. Mit ihrer Entscheidung für fünf Jahre Haft scheint Masipa eine gute Balance gefunden zu haben - auch zwischen den gegenläufigen Forderungen von Anklage und Verteidigung."

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Pistorius muss ins Gefägnis

Sprintstar wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin verurteilt. © dpa

"Berliner Zeitung": "Es ist ein salomonisches Urteil. Zumindest die juristische Welt scheint mit den fünf Jahren Haft für Oscar Pistorius einverstanden zu sein."

"Stern": "Den Pistorius-Prozess gewinnt: Südafrika! Der Prozess wurde live im Internet übertragen und zeigte, dass dieses Land entgegen mancher Klischees, kein Chaos-Land ist, in dem sich Schwarz und Weiß ständig befehden, beneiden, bekriegen. Sondern, dass es ein Rechtsstaat ist, mit allem was dazu gehört."

"Spiegel": "Ein Mann wie ein Schatten. Vor dem Gerichtsgebäude wird heftig über das Urteil diskutiert. Die Leute fragen sich, warum er für den Tod eines Menschen kürzer ins Gefängnis müsse als ein Räuber."

"The Guardian": "Oscar Pistorius sollte nicht ins Gefängnis kommen. Haftstrafen bedeuten Brutalität. Männer wie Pistorius haben ihr Leben ruiniert, ihr Versagen zur Schau gestellt und genügend Möglichkeit, ihre Verbrechen zu reflektieren und für sie zu büßen. Man muss herausfinden, wieso er sich eben so verhielt, um zu verhindern, dass andere es ihm gleichtun."