Berlin/Auschwitz (dpa) - Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, hat das Strafmaß im Prozess gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning als zu milde kritisiert.

Schuldspruch für den "Buchhalter von Auschwitz": Das Landgericht Lüneburg hat den früheren SS-Mann Oskar Gröning am Mittwoch zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er als Rad im Getriebe den Massenmord in dem Vernichtungslager unterstützt hat. Das Gericht sprach den 94-Jährigen in einem der letzten großen Auschwitz-Prozesse der Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen für schuldig. Gründlich, effizient und gnadenlos hätten Menschen wie Gröning zum Funktionieren der Tötungsmaschinerie beigetragen, sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch.

Im Holocaust versagte jede Menschlichkeit. Eine Schilderung.

Vier Jahre Haft - ein zu mildes Urteil findet der Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner. "Angemessen wäre ein lebenslanges Urteil", sagte Heubner am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Trotzdem sei der Prozess sehr wichtig gewesen, "weil er einen Angeklagten gezeigt hat, der mit seinem letzten Wort doch noch realisiert hat, dass das Mitmachen bei diesen Morden eine große Schuld ist, die ihn sein Leben lang begleiten wird".

In dem Prozess stecke eine große provokative Frage: "Wie verhalten wir uns in Situationen, in denen Menschen verfolgt und bedroht werden - unsere Hilfe und unseren Schutz suchen?" Die Menschen könnten sich vor Augen führen, "wie leicht man zum Mitmacher und Mitläufer wird, wenn man seine Aufmerksamkeit nicht gegen die eigene Gleichgültigkeit richtet", sagte Heubner.

Durch den Prozess habe Auschwitz in den letzten Wochen rund 30 Prozent mehr Besucher bekommen. "Das ist auch ein Resultat der Berichte, die die Überlebenden im Prozess abgegeben und die Menschen berührt haben."

Der "Bild"-Zeitung sagte Heubner zudem, der Prozess habe den Überlebenden von Auschwitz neue Wege nach Deutschland und ein neues Bild unseres Landes eröffnet.