Eine neue Gruppierung bereitet den deutschen Behörden Sorgen: Die offenbar gewaltbereite Vereinigung "Osmanen Germania" wächst bundesweit in hohem Tempo. Die Sorge vor einem Krieg mit den "Hells Angels" und anderen Banden nimmt zu.

Es gibt sie erst seit ein paar Monaten, dennoch wird sie von der Polizei bereits genau beobachtet: Die türkisch geprägte Gruppierung "Osmanen Germania", offenbar im April 2015 aus einem Streit mit den "Hells Angels" entstanden, hat sich in Deutschland als neue Größe im Rockermilieu etabliert.

Die Gruppierung beschreibt sich selbst auf ihrer Facebook-Seite als Boxclub "und darüber hinaus eine große Familie für alle verschiedene Ethnische Gruppen."

Vater des deutschen Salafisten gehört zu Rockergruppe Hells Angels.

In einem Bericht des NRW-Innenministeriums an den Landtag für den Innenausschuss am 18. Februar, aus dem mehrere Medien vorab zitieren, wird vor einer rasanten Ausbreitung der "Osmanen Germania" sowie der ebenfalls als gefährlich eingeschätzten Rockergruppe "Brothers MC" gewarnt.

Die "Osmanen Germania" sollen in Deutschland bereits 20 Untergruppen gegründet haben - acht davon in Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt sollen rund 700 Personen zu der Vereinigung gehören. "Sie sind auch im Ausland aktiv und haben durchaus personelles Potenzial", sagt Dietmar Kneip, zuständiger Kriminaldirektor für organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt NRW Anfang Februar.

Wer die "Osmanen Germania" anführt, weiß man derzeit nicht. Es gibt Gerüchte, dass die ehemalige "Hells Angels"-Größe Necati Arabaci, der sogenannte "Pate von Köln", das Sagen hat.

Arabaci war einst mit "Hells Angels"-Boss Frank Hanebuth aneinandergeraten und ist seitdem abgetaucht. Kneip sagt nur so viel zu den Spekulationen um Arabaci: "Er wird nicht nur von uns gesucht."

Bandenkrieg mit "Hells Angels" droht

Der Kriminaldirektor ist sich sicher, dass hinter der Expansion der Gruppe ein Plan steckt. "Wir gehen davon aus, dass die Osmanen sich Marktanteile sichern wollen an den illegalen Geschäften der Rocker." Derzeit verschaffe sich die Polizei mit zahlreichen Kontrollen und einer Null-Toleranz-Strategie einen Überblick.

Ein Aufmarsch von 80 "Osmanen"-Mitgliedern in Neuss Ende Januar ist durchaus als Machtdemonstration auch in Richtung "Hells Angels" zu werten. Es droht eine mögliche Konfrontation.

Mehr als 200 Polizisten waren in Neuss im Einsatz. Die Stadt in NRW wird bislang dem Machtbereich der "Höllenengel" zugerechnet.

Mitglieder des Rockerclubs schossen wohl auf verfeindete Mongols.

97 Mitglieder der "Osmanen Germania" wurden an jenem Abend polizeilich kontrolliert. "Zu einem Großteil dieser Personen liegen bereits kriminalpolizeiliche Erkenntnisse - vorwiegend wegen Rohheits- und Betäubungsdelikten – vor", heißt es im Bericht des NRW-Innenministeriums. Auch dies zeigt, wie gefährlich die neue Gruppierung ist.

Martialische Bilder und Sprache

Die Mitglieder der "Osmanen Germania", unter denen sich viele türkischstämmige Personen befinden, geben sich in den sozialen Netzwerken aggressiv und verwenden eine martialische Sprache.

In einem Video, das bei Facebook veröffentlich wurde, sagt eine Stimme aus dem Off: "Wir kommen und übernehmen das ganze Land".

Die Stimme beschreibt die Mitglieder der Gruppe, die in den Videos rockertypische Kutten tragen, als "Männer, die bis zu ihrem letzten Tropfen Blut für ihre Brüder auf dem Schlachtfeld stehen" und als "Krieger, die keine Angst haben, für ihre Brüder eine Kugel zu fangen". Zudem werden in dem Video immer wieder Schusswaffen in die Kamera gehalten.

Da die Szene noch nicht lange existiert, fehlen den Behörden noch umfassende Informationen über sie. "Konkrete Hinweise zu Aktivitäten der Gruppierung oder von Mitgliedern liegen nur zu einzelnen Standorten vor", heißt es unter anderem in dem Bericht des NRW-Innenministeriums.

Clubhäuser seien nicht bekannt, die Treffen fänden häufig in Kneipen und (Shisha-)Bars statt.

(mit Material der dpa)