Global ist das Jahr 2015 nach Erwartungen der US-Klimabehörde das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen - in Deutschland das zweitwärmste. Gegenwärtig gelangt tropisch warme Luft bis zum Nordpol. England und die USA werden von Unwettern heimgesucht.

Der Dezember setzt nach Angaben von Meteorologen einen bemerkenswerten Schlusspunkt hinter das ohnehin turbulente Wetterjahr 2015. Der Monat war in Deutschland ungewöhnlich mild. Das Jahr insgesamt geht als zweitwärmstes seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Statistik ein, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch mitteilte.

Zum Nordpol strömt wegen einer besonderen Wetterlage von extremen Druckunterschieden Tropenluft. Die starken Regenfälle in Großbritannien hängen ebenfalls mit diesem Phänomen zusammen. Seit Tagen werden Teile der USA von schweren Unwettern heimgesucht, bei denen schätzungsweise 49 Menschen ums Leben kamen.

Zweitwärmstes Jahr in Deutschland

Trotz Rekordmilde im November und Dezember sei das Temperaturniveau von 2014 aber nicht übertroffen worden, berichtete der DWD. Zehn der zwölf Monate seien zu warm, nur der September und der Oktober zu kalt ausgefallen.

Nach dem wärmsten November seit 1881 habe auch der Dezember 2015 einen Monatsrekord aufgestellt. Um 5,6 Grad habe die Durchschnittstemperatur über dem vieljährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 gelegen - das ist die internationale Referenzperiode.

"Ein Plus von 5,6 Grad Celsius verglichen mit dem vieljährigen Monatsmittel ist ein bemerkenswerter Schlusspunkt eines weltweit wie auch in Deutschland klimatologisch außergewöhnlichen Jahres", sagte DWD-Vizepräsident Paul Becker.

Global ist das Jahr nach Erwartungen der US-Klimabehörde das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Tropenluft über dem Nordpol

Auf der Nordhalbkugel herrschen derzeit ebenfalls ungewöhnliche Temperaturverhältnisse: Tropisch warme Luft gelangt vom Atlantik bis zum Nordpol und sorgt dort für Plusgrade, polare Luft strömt mit Frost und Schnee bis in den Süden der USA.

Beides sei Teil desselben Geschehens, sagte Andreas Friedrich am Mittwoch. Grund sei das Zusammentreffen von sehr tiefem Druck im Nordwesten und sehr hohem Druck im Nordosten.

Warum sich eine solche Wetterlage ausgebildet habe, sei wissenschaftlich nicht zu erklären, sagte Friedrich. "Es ist ein Ausdruck des chaotischen Systems Atmosphäre."

Mit dem Klimawandel habe es nichts zu tun. Eigentlich herrscht in dieser Zeit am Nordpol Winter mit minus 30 bis minus 40 Grad. Tatsächlich ist es aber zwei bis vier Grad warm.

Millionen leiden unter Hochwasser, Tornados oder Schnee.

Dritte Unwetterfront in Großbritannien

Der Sturm über dem Nordatlantik hat Großbritannien voll erfasst. Mit Windböen bis zu 120 Stundenkilometern und heftigem Regen hat "Frank" am Mittwoch vor allem Schottland und Nordirland heimgesucht.

Tausende Häuser waren ohne Strom, Straßen und Bahnverbindungen mussten gesperrt werden. Es ist die dritte Flutwelle innerhalb eines Monats. Aber auch Island und Norwegen wurden von der Unwetterfront erfasst, die sich von Nordatlantik unaufhaltsam in Richtung Osten verlagert.

Besonders geplagt sind die Menschen im nordenglischen Yorkshire, die erst über Weihnachten mit schweren Überschwemmungen zu kämpfen hatten. Auch hier wird erneut Hochwasser befürchtet - wenn auch nicht so stark wie zuvor. In Croston in Lancashire riefen die Behörden Bewohner auf, ihre gefährdete Häuser zu verlassen. Zugleich klagte die Polizei in Yorkshire, es habe vereinzelt Plünderungen gegeben.

Unwetter und Überschwemmungen in den USA

Seit Tagen herrschen in Teilen der USA schwere Unwetter. Bei Überschwemmungen im Bundesstaat Missouri kamen nach offiziellen Angaben bislang 13 Menschen ums Leben. Zwölf von ihnen seien gestorben, als Wassermassen ihre Fahrzeuge von Straßen spülten, teilte Gouverneur Jay Nixon am Dienstag mit.

Er sprach von gefährlichen Überschwemmungen historischen Ausmaßes. Hunderte Straßen waren gesperrt. Der Nationale Wetterdienst erwartet bis Samstag Rekord-Hochwasser entlang des Mississippis in Missouri. In Illinois kamen bislang mindestens fünf Menschen ums Leben.

Laut CNN sind bei den US-Unwettern in den vergangenen sieben Tagen schätzungsweise 49 Menschen gestorben.

Gebet für die Unwetteropfer

Papst Franziskus hat zum Gebet für die Opfer der derzeitigen Unwetter und Überschwemmungen in aller Welt aufgerufen. "Ich lade euch dazu ein, für die Opfer der Unglücke zu beten, die in diesen Tagen die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Südamerika, besonders Paraguay, getroffen und viele Opfer, Evakuierungen und beträchtliche Schäden gefordert haben", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach seiner Generalaudienz in Rom am Mittwoch.© dpa