Nach den massiven Übergriffen in Köln hat die Aussage eines Imams für enorme Empörung gesorgt. Sami Abu-Yusuf gab in einem Interview den Frauen eine Mitschuld. Nun rudert er zurück und erklärt, wie er es eigentlich gemeint haben will.

"Einer der Gründe ist, wie die Frauen angezogen waren. Wenn sie leicht angezogen sind und Parfüm verwenden, dann passieren solche Sachen".

Mit diesem Satz hatte der Imam Sami Abu-Yusuf am Donnerstag für Riesenwirbel gesorgt.

Der 42-Jährige gab im Interview mit dem russischen Sender "Ren-TV" damit den Opfern der Silvesternacht in Köln eine Mitschuld an den Übergriffen.

Der innenpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, nannte die Äußerungen Menschenverachten. Beck gab noch am Donnerstag bekannt, dass er Strafanzeige wegen "öffentlicher Aufforderung zu einer Straftat" (Paragraph 111 StGB) bei der Staatsanwaltschaft Köln gestellt hat.

Imam Abu-Yusuf erklärt sich

Nun rudert der Imam zurück. Reportern des Kölner "Express" sagte er, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

"Ich habe gesagt, dass wir große Probleme mit Nordafrikanern in Köln haben. Die jungen Männer nehmen Tabletten oder Drogen. In der Silvesternacht haben sie Alkohol getrunken, waren enthemmt."

Einigen Migranten wird ein fragwürdiges Frauenbild unterstellt - die Ursachen.

Das sei natürlich kein Grund, Frauen zu belästigen. Anschließend relativiert er dem "Express" gegenüber seine Aussage: "Es waren Frauen leicht bekleidet und sie trugen Parfüm, als sie durch die betrunkene Menge liefen. Das war für einige Nordafrikaner Anlass, die Frauen zu begrapschen. Das heißt aber nicht, dass ich glaube, dass Frauen sich nicht so kleiden dürfen."

Dies müsse jeder akzeptieren. Wem das nicht passe, der solle in ein anderes Land gehen.

Ob der Aussage ehrliche Einsicht zugrunde liegt, oder doch eher juristische Strategie, bleibt offen.

Salafistischer Extremist

Sami Abu-Yusuf lehrt nach Informationen des "Express" in Kalk an der "Al Tauhid"-Moschee. 2004 führte die Polizei eine Razzia wegen des Verdachts der Gründung eines geheimen Netzwerks arabischer Mudschaheddin durch.

Wie das Blatt weiter berichtet, vertrete die Gemeinde nach Angaben des Landesamt für Verfassungsschutz NRW einen streng sunnitischen Islam arabischer Prägung. Sie gelte als verfassungsfeindlich.

Abu-Yusuf werde als salafistischer Extremist eingestuft. (far)