Die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht schockieren bundesweit. Tage danach wird nach und nach das Ausmaß der Ereignisse klar. Eine Chronologie der wichtigsten Entwicklungen.

31. Dezember

21.00 Uhr: Auf dem Bahnhofsvorplatz und der Domtreppe kommen nach Polizeiabgaben 400 bis 500 augenscheinlich betrunkene Menschen zusammen, sie sind teilweise aggressiv.

Unkontrolliert werden Böller und Raketen abgebrannt.

23.00 Uhr: Gedränge vor dem Hauptbahnhof, mittlerweile sind mehr als 1.000 Menschen zusammengekommen. Es handelt sich "ausschließlich um junge Männer", wie die Polizei später berichtet.

Nach wie vor werden Raketen abgeschossen, einige davon gezielt in die Menge. Polizeidirektor Michael Temme beschreibt die Stimmung im Nachhinein als "aggressiv".

23.15 Uhr: Einige Menschen werden von Täter-Gruppen eingekreist. Mehrere Handys sollen dabei gestohlen worden sein. Weiterhin werden Raketen und Böller gezündet.

Silvesterabend in Köln war für Frauen ein "Spießrutenlauf".

23.30 Uhr: Die Polizei räumt die Domtreppe und den Bahnhofsvorplatz, aus Sicherheitsgründen und um eine Panik zu vermeiden, wie es heißt. Nach ihren Angaben beruhigt sich die Situation. Belästigungen können dadurch allerdings nicht verhindert werden.

01. Januar

00.30 Uhr: Nach Angaben des "Kölner Stadt-Anzeigers" herrscht am Hauptbahnhof aggressive Stimmung: Mindestens 200 angetrunkene junge Männer mit ausländischem Hintergrund pöbeln in der überfüllten Bahnhofshalle Passanten an und belästigen zahlreiche Frauen.

00.45 Uhr: Die Lage beruhigt sich laut Polizei zunächst. Der Zugang zum Hauptbahnhof wird wieder freigegeben, wodurch sich der Platz erneut füllt.

Die Polizei erhält erste Strafanzeigen von betroffenen Frauen wegen Diebstahls, einige von ihnen berichten laut Polizei von sexuellen Übergriffen aus den Gruppen auf Passanten.

Es werden alle Beamten vor dem Hauptbahnhof zusammengezogen, knapp 150 Polizisten sollen im Einsatz sein. Frauen ohne Begleitung werden angesprochen und zum Bahnhofseingang begleitet. Es soll aber auch im Bahnhof Übergriffe geben. Dort ist allerdings nicht die Kölner Polizei zuständig, sondern die Bundespolizei.

04.00 Uhr: Nach Einschätzung der Polizei beruhigt sich die Lage wieder.

08.57 Uhr: In einer Pressemitteilung schreibt die Polizei, die Silvesterfeier "auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen [sei] friedlich" verlaufen. Die Vorgänge am Dom werden nicht erwähnt.

Erste Medien berichten über die Vorfälle.

2. Januar

17.00 Uhr: Kölns Polizei informiert erst jetzt über die Übergriffe. Es seien Anzeigen von 30 Betroffenen erstattet worden, eine Ermittlungsgruppe "Neujahr" wird eingerichtet.

Zwei Männer, die mit den Taten am Hauptbahnhof in Verbindung stehen könnten, werden in Untersuchungshaft genommen.

18:07 Uhr:

Die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet erstmals über die schockierenden Übergriffe in der Silvesternacht in Köln.

3. Januar

13:54 Uhr: Die Polizei nimmt in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs fünf Männer fest, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Ob sie mit den Übergriffen in der Silvesternacht in Zusammenhang stehen, ist jedoch nicht klar.

In der Meldung ist lediglich von einer nicht näher beschriebenen "Gruppe" die Rede - eine genauere Beschreibung der Täter liegt noch nicht vor.

4. Januar

Die Polizei gibt in einer Pressekonferenz die vermutete Nationalität der Täter nach Zeugenaussagen an.

19:00 Uhr: Das ZDF berichtet in seiner Montagsausgabe nicht über die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof. Der Sender spricht später von einer "Fehleinschätzung", was in den sozialen Medien kontrovers diskutiert wird.

5. Januar

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sorgt mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen für Aufregung im Internet. Sie antwortet bei einer Pressekonferenz auf die Frage, wie man sich als Frau besser schützen könne, unter anderem mit den Worten: "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft".

6. Januar

18:18 Uhr: Die Kölner Polizei identifiziert vier Tatverdächtige:

Nach den Übergriffen ermittelt nun die Abteilung für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität der Staatsanwaltschaft Köln. Die Kölner Polizei stockt ihre Ermittlungsgruppe zudem auf.

Währenddessen lässt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wegen des Ausmaßes prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten in Köln und ähnlichen Attacken in Hamburg gibt.

7. Januar

11:11 Uhr: Die Polizei macht insgesamt 16 Tatverdächtige aus. Die Zahl der Strafanzeigen steigt auf 121. Die meisten der 16 Verdächtigen seien bislang nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar.

Einige Verdächtige seien vorübergehend festgenommen worden, jedoch vor allem wegen Diebstählen, teilweise auch außerhalb von Köln. (she/dpa)