Einige Politiker fordern nach den Übergriffen in Köln an Silvester härtere Strafen - und schnellere Abschiebungen. Andere ermahnen die Gesellschaft. Eine Übersicht zu den Aussagen von Angela Merkel, Sigmar Gabriel und weiteren Politikern.

In der Silvesternacht hatten sich am Hauptbahnhof in Köln aus einer Menge von rund 1.000 Männern heraus kleinere Gruppen gelöst, die vor allem Frauen umzingelt, begrapscht und bestohlen haben sollen.

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Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.

Als Reaktion auf die Übergriffe an Silvester in Köln verschärft die politische Führung in Deutschland den Ton. Einig sind sich die Politiker vor allem in einem Punkt: Die Täter müssen schnell dingfest gemacht werden.

Doch auch Forderungen nach härteren Strafen, schärferen Sicherheitsvorkehrungen und schnelleren Abschiebungen werden laut. Eine Übersicht zu den wichtigsten Aussagen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU): "Persönlich unerträglich"

Nach den Übergriffen des gewalttätigen Mobs in Köln will Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Grundlagen des kulturellen Zusammenlebens in Deutschland reden.

Zugleich kündigte die CDU-Chefin am Donnerstag Konsequenzen an: Es sei zu prüfen, ob man bisher bei der Ausweisung straffälliger Ausländer genug getan habe - hier müssten klare Zeichen gesetzt werden.

Sie finde es "persönlich unerträglich", wenn sich Frauen schutzlos und ausgeliefert fühlen, sagte Merkel. Der Frauenverachtung, die sich in Köln gezeigt habe, müsse mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. "Es sind widerwärtige, kriminelle Taten, (...) die Deutschland nicht hinnehmen wird."

Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD): "Schneller und effizienter abschieben"

Sigmar Gabriel geht noch etwas weiter als die Kanzlerin und will alle rechtlichen Möglichkeiten ausloten, um kriminelle Asylbewerber in ihre Heimat zurückzuschicken, wie er der "Bild" sagte.

Nach Köln: Kriminelle Asylbewerber müssen abgeschoben werden.

Zu prüfen sei auch, wie der Grundsatz "Haft im Heimatland" wieder verwirklicht werden könne. "Warum sollen deutsche Steuerzahler ausländischen Kriminellen die Haftzeit bezahlen?", fragte er. Die Androhung, in der Heimat hinter Gitter zu kommen, schrecke die Täter zudem weit mehr ab als eine Haftzeit im deutschen Gefängnis.

Gabriel sagte, es müsse insgesamt schneller und effizienter abgeschoben werden. Wenn Staaten etwa aus Afrika sich weigerten, abgeurteilte und abgelehnte Asylbewerber zurück zu nehmen, dann müsse Deutschland sie vor die Wahl stellen: "Entweder ihr stellt euch der Verantwortung für eure Bürger oder wir kürzen euch die Entwicklungshilfe."

Hinzu komme, dass es mehr Sicherheit nur mit mehr Polizei und mehr Staatsanwälten geben könne.

Generalsekretär Peter Tauber (CDU): "Mehr Polizeipräsenz"

Vor allem die CDU legt den Fokus auf den Sicherheitsaspekt. Generalsekretär Peter Tauber forderte mehr Videoüberwachung und mehr Licht auf öffentlichen Plätzen von Großstädten.

"Man muss Räume schaffen, in denen so etwas nicht geschieht, einfach weil es nicht im Dunkeln geschehen kann", sagte Tauber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden, brauche es zudem mehr Polizeipräsenz.

Lorenz Caffier (CDU): "Bessere Koordination von Landes- und Bundespolizei"

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) fordert darüber hinaus eine bessere Koordination von Landes- und Bundespolizei. "Der Bürger sieht, dass Polizei auf der Uniformjacke steht und ihm ist herzlich egal, ob der Beamte den Bundesadler oder ein Landeswappen am Ärmel trägt", sagte er dem "Handelsblatt".

Innenminister Thomas de Maizière (CDU): "Vorbeugende Aufklärung"

Auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU) tritt für schärfere Sicherheitsvorkehrungen wie mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen ein. "Wir müssen alles dafür tun, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post".

Dazu gehörten "vorbeugende Aufklärung, mehr Videoüberwachung auf Plätzen, wo sich viele Menschen versammeln, Präsenz auf der Straße und harte Strafen".

Julia Klöckner (CDU): "Pflicht zur Integration"

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner drängt währenddessen auf eine Pflicht zur Integration von Zuwanderern per Gesetz.

Zudem warnt sie vor einer falschen Moraldebatte: Man müsse "ganz frei von Scheuklappen, aber auch ohne Pauschalisierungen" darüber sprechen, wer welchen Hintergrund und welche Frauenbilder habe.

Claudia Roth (Die Grünen) fordert Einsatz gegen sexualisierte Gewalt

Auch die Grünen rücken die Rolle der Frau ins Zentrum der Debatte. Grünen-Politikerin Claudia Roth forderte einen stärkeren Einsatz gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen.

Die Übergriffe in Köln beschäftigen die internationalen Medien. Sie kritisieren die Behörden, die auf die Ereignisse in der Silvesternacht bizarr reagiert hätten und warnen davor, voreilige Schlüsse zu ziehen und damit Ängste zu schüren.

"Ein großer Teil der derzeitigen Empörung richtet sich aber nicht gegen sexualisierte Gewalt, sondern auf die Aussagen, dass die potenziellen Täter nordafrikanisch und arabisch aussehen", sagte sie der "Welt".

Nötig seien Prävention, eine größere Polizeipräsenz an den Brennpunkten, intensive Opferberatung, Aufbrechen patriarchaler Strukturen und eine klare Bestrafung der Täter.

Katrin Göring-Eckhardt (Die Grünen) gegen schärfere Gesetze

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach sich darüber hinaus gegen schärfere Gesetze aus. Vielmehr müssten Strafverfahren schnell abgeschlossen und Täter sehr rasch zur Verantwortung gezogen würden, sagte sie in Weimar am Rande einer Klausurtagung.

"Sie müssen sehr schnell spüren, dass für diese Tat unmittelbar eine Strafe folgt." In besonders schweren Fällen gebe es bereits jetzt die Möglichkeit der Ausweisung straffälliger Asylbewerber.

Flüchtlingsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD): "Hetze alarmiert mich"

Die Flüchtlingsbeauftragte der Regierung, Aydan Özoguz (SPD), zeigte sich nach der Kölner Silvesternacht erschrocken über die Reaktionen von rechts. "Es alarmiert mich, wie Rechtsextreme die Übergriffe bereits zur Hetze und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge nutzen", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Sie warne davor, geflohene Menschen unter Generalverdacht zu stellen.