Die Polizei in Köln hat nach den Übergriffen an Silvester weitere Tatverdächtige ausgemacht. Zwar seien sie nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- und Videoaufnahmen identifizierbar. In Stuttgart gab es nach den dortigen Übergriffen eine Festnahme.

Die Ermittler hätten bislang insgesamt 16 Verdächtige ausgemacht, die mit den Taten in Zusammenhang stehen könnten, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag.

Die meisten Verdächtigen seien zwar noch nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar. "Wir prüfen nun, ob sie tatsächlich in Zusammenhang mit den Taten stehen", sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Köln: Laut Polizei-Protokoll war Staat nicht mehr Herr der Lage.

Verdächtige waren vorübergehend festgenommen worden

Einige Verdächtige seien vorübergehend festgenommen worden, jedoch vor allem wegen Diebstählen, teilweise auch außerhalb von Köln.

Bei den Ermittlungen hätten sich Hinweise ergeben, dass diese Männer - alle nordafrikanischer Herkunft - auch mit den Taten am Kölner Hauptbahnhof in Verbindung stehen könnten.

Zwei Männer, die bereits am 2. Januar in Köln festgenommen wurden, sitzen wegen Taschendiebstählen in Untersuchungshaft. Die übrigen Festgenommenen sind nach Angaben des Polizeisprechers wieder auf freiem Fuß.

Laut Polizei ist die Zahl der Strafanzeigen mittlerweile auf 121 gestiegen. Bei etwa drei Viertel der angezeigten Taten hätten die Opfer angegeben, auch sexuell bedrängt worden zu sein. In zwei Fällen seien Vergewaltigungen angezeigt worden.

Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. In der Silvesternacht hatten sich aus einer Gruppe von rund 1.000 Männern kleinere Gruppen gelöst, die vor allem Frauen umzingelt, begrapscht und bestohlen haben sollen.

Auch noch Tage nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln gibt es viele ungeklärte Fragen. Eine Übersicht darüber, was bisher bekannt ist - und was nicht.

Festnahme in Stuttgart - keine Verdächtigen in Hamburg

Auch in Stuttgart war es in der Silvesternacht zu Übergriffen auf Frauen gekommen. Dort wurde noch in der Nacht ein Tatverdächtiger festgenommen. Einen entsprechenden Bericht der "Bild" hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt.

Der 20-Jährige soll in einer Gruppe zwei 16- und 18-jährige Frauen sexuell genötigt haben.

Die Hamburger Polizei hat nach den sexuellen Attacken auf junge Frauen in der Silvesternacht hingegen noch keine Tatverdächtigen ermittelt.

Die Ermittler seien noch dabei, das Bildmaterial auszuwerten und Zeugen und Opfer zu befragen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. "Wichtig für uns ist, dass sich alle Opfer melden", sagte der Sprecher.

Er unterstrich, dass es sich bei den Taten, bei denen junge Frauen von einer Gruppe Männer umzingelt und sexuell belästigt und auch bestohlen werden, um ein neues Phänomen handele. Auch auf anderen Veranstaltungen wie dem Hafengeburtstag habe es immer wieder Belästigungen und Diebstähle gegeben, aber nicht in der vorliegenden Form.

Bis zum Mittwoch hatte die Hamburger Polizei 90 Zeugenhinweise erhalten, mehr als 50 Anzeigen von Opfern waren eingegangen.

Die Polizei prüft inzwischen, ob eine Videoüberwachung temporär - etwa an Wochenenden oder bei Großereignissen - möglich ist. Auf dem Kiez sind noch mehrere Videokameras installiert, aber nicht in Betrieb. (cai/dpa)