Am Silvesterabend sollen sich im Hauptbahnhof in Köln, auf der Reeperbahn in Hamburg und offenbar auch in Stuttgart Männergruppen an Frauen sexuell vergangen haben. Die Beschuldigten stammen vermutlich aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum. Ein Überblick, was wir zu den Vorfällen wissen - und was wir bislang nicht wissen.

Was wir wissen:

  • Am Silvesterabend versammelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln laut Polizei etwa 1.000 Männer, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen. Aus der Menge bildeten sich Gruppen von mehreren Männern, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt haben sollen. Demnach wurden Geldbörsen und Handys gestohlen. Es sei auch zu Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung gekommen.
  • Die Täter sind der Polizei zufolge stark alkoholisiert gewesen und "völlig enthemmt gewaltvoll" vorgegangen. "Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst", berichtet der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert.
  • Erst im Laufe der Silvesternacht und in den Folgetagen wurde das Ausmaß der Gewalt deutlich, die von der Gruppe ausgegangen sein soll. Nach Polizei-Angaben sind alle Einsatzkräfte, die zur Verfügung waren, vor Ort gewesen. Doch die Beamten merkten anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen.
  • Zwischen 1:00 Uhr und 1:30 Uhr wurden bei der Kölner Polizei und Bundespolizei erste Anzeigen erstattet. Erst dann erfuhr die Polizei von dem "massiven Vorgehen". Bis Dienstagmittag lagen der Polizei 90 Anzeigen vor.
  • Nach den Vorfällen richtete die Polizei eine Ermittlungsgruppe ein und wertet in großem Umfang Videoaufnahmen aus.
  • Am Sonntag wurden fünf Verdächtige von der Polizei festgenommen.
  • Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker setzte für heute ein Krisentreffen an. Daran sollen unter anderem die Kölner Polizei, die Bundespolizei und Stadtdirektor Guido Kahlen teilnehmen.
  • Nicht nur in Köln, sondern auch in Hamburg gab es Übergriffe. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Männern an der Reeperbahn umringt und an der Brust oder im Intimbereich angefasst, sagte Polizeisprecher Holger Vehren. Zugleich hätten ihnen die Täter Handys, Papiere und Geld weggenommen. Es gehe um neun Fälle von sexueller Beleidigung, Raub und räuberischem Diebstahl.
  • Sechs Anzeigen gingen in diesem Zusammenhang bei der Polizei ein. Die Opfer sind der "Bild"-Zeitung zufolge zwischen 18 und 24 Jahre alt. Die Täter sollen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sein, wie die Polizei mitteilt.
  • Wie "FAZ"-Online berichtet, gab es ähnliche Vorfälle wie in Köln und Hamburg auch in Stuttgart.

Was wir bislang nicht wissen:

  • Die exakte Anzahl der Täter ist noch unklar. Ebenso ist auch die Herkunft aller Beschuldigten nicht gesichert - sie sollen Zeugenaussagen und Polizeiberichten zufolge aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum kommen.
  • Momentan lässt sich auch nur darüber spekulieren, warum sich die Vorfälle in Köln, Hamburg und voraussichtlich auch Stuttgart ausgerechnet am Silvesterabend abspielten.
  • Ebenfalls sind die genauen Absichten der Beschuldigten nicht gesichert. Ging es ihnen darum, die Frauen zu beklauen oder hatten sie von vornherein sexuelle Absichten?(tfr/dpa)

Köln sucht nach der richtigen Antwort auf die Übergriffe in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof. Der NRW-Innenminister und Kölns Oberbürgermeisterin verurteilen die Angriffe aufs Schärfste.