Zwei am Freitag wegen der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht festgenommene Männer sind wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen laufen derweil weiter: Die Bundespolizei hat 31 Verdächtige namentlich identifiziert. Zudem sollen einige gestohlene Mobiltelefone in Flüchtlingsunterkünften geortet worden sein.

Nach den Übergriffen von Köln waren zwei mutmaßliche Trickdiebe festgenommen worden, die auch in der Silvesternacht am Bahnhof gewesen sein sollen.

Der Tatverdacht gegen die beiden hat sich jedoch nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Benedikt Kortz der Deutschen Presse-Agentur. Deswegen sind sie wieder auf freiem Fuß. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien sollen nach Polizeiangaben Handys sichergestellt worden sein.

Übergriffe in Köln beschäftigen internationale Medien.

WDR und "Kölner Stadt-Anzeiger" hatten berichtet, die Videos zeigten Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Dazu wollte sich der Staatsanwalt nicht äußern.

Zahl der Anzeigen auf rund 170 gestiegen

Nach Angaben eines Sprechers seien die Männer den Polizisten auf dem Bahnhofsvorplatz aufgefallen. Bei ihnen wurde auch Beute aus Trickdiebstählen sichergestellt.

Laut Polizei ist die Zahl der Anzeigen inzwischen auf rund 170 gestiegen, drei Viertel davon haben einen sexuellen Hintergrund.

Der Polizei liegen 350 Stunden Videomaterial vor, rund 250 verschiedene Daten müssten ausgewertet werden, sagte der Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die bislang 80-köpfige Ermittlungsgruppe "Neujahr" wurde auf 100 Beamte aufgestockt.

Mobiltelefone in Flüchtlingsunterkünften geortet

Mehrere in der Kölner Silvesternacht gestohlenen Mobiltelefone sollen nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Spiegel" (Freitag) und des "Kölner Stadt-Anzeigers" in Flüchtlingsunterkünften oder deren Umgebung geortet worden sein.

Die Polizei war für eine Stellungnahme am Freitag zunächst nicht zu erreichen.

Nicht bekannt ist, ob die Handys von den Randalierern aus der Silvesternacht gestohlen wurden oder ob sie in einem anderen Zusammenhang mit den Übergriffen stehen.

31 Verdächtige namentlich identifiziert

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte unter Berufung auf einen vorläufigen Bericht der Bundespolizei, dass mittlerweile 31 Verdächtige identifiziert wurden. Unter ihnen sollen 18 Asylbewerber sein.

Bei den festgestellten Delikten handele es sich aber überwiegend um Körperverletzungen und Diebstähle. Sexualdelikte seien bisher nicht mit den Asylbewerbern in Verbindung gebracht worden.

Zwar seien wegen Sexualdelikten drei Strafanzeigen bei der Bundespolizei eingegangen, sagte der Sprecher weiter. Tatverdächtige seien in diesen Fällen aber nicht ermittelt worden.

Der Sprecher betonte, es handele sich lediglich um Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei fielen - also auf dem Bahnhofsgelände und bis zu einer Entfernung von 30 Metern auf dem Vorplatz.

Nationalitäten der Verdächtigen genannt

Die Verdächtigen stammen demzufolge aus Algerien (neun), Marokko (acht), Iran (fünf), Syrien (vier), Deutschland (zwei) sowie jeweils einer Person aus dem Irak sowie aus Serbien und den USA.

Vorwürfe, die Bundespolizei sei unterbesetzt gewesen, wies der Sprecher erneut zurück. In der Silvesternacht seien 67 Beamte der Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof im Einsatz gewesen. Das sei deutlich mehr als an normalen Abenden und auch mehr als am Silvesterabend ein Jahr zuvor.

Die Landespolizei, die in der Silvesternacht ebenfalls im Einsatz war, hat nach eigenen Angaben bisher 16 Verdächtige ermittelt. (cai/dpa)