Während seiner Flucht hat Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán dem Schauspieler Sean Penn ein Interview gegeben. Die USA reagieren darauf nun mit deutlichen Worten. Mexiko will zudem prüfen, ob der Hollywoodstar gegen Gesetze verstoßen hat.

Für Sean Penn und das Magazin "Rolling Stone" ist es ein Coup: Während Ermittler nach dem flüchtigen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán fahndeten, traf der Schauspieler ihn im Dschungel, die Männer tranken Tequila und sprachen sieben Stunden lang miteinander. Das Magazin berichtete am Samstag detailliert über die Begegnung. Doch nicht überall sorgt dies für Begeisterung.

Ein Sprecher des Weißen Haus sagte am Sonntag, es sei "unerträglich", wie Guzmán mit seinen Verbrechen geprahlt habe. Das "sogenannte Interview" werfe einige "interessante Fragen" an Penn und andere Beteiligte auf, zitiert der TV-Sender CNN den Stabschef von Präsident Barack Obama, Denis McDonough. Bei ABC sagte er zudem über Guzmán: "Ich war angeekelt von seiner Prahlerei über eine Epidemie, die unser Land erfasst hat." McDonough bezog sich dabei auf die vielen Heroinsüchtigen in den USA.

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Penn schreibt im "Rolling Stone", er habe sich am 2. Oktober mit Guzmán auf einer Dschungellichtung getroffen. Möglich gemacht hatte dies die mexikanische Schauspielerin Kate de Castillo: Sie spielt in der Telenovela "La Reina del Sur" (Die Königin des Südens) eine Drogenhändlerin und stand mit Guzmán wegen eines Filmprojekts über sein Leben in Kontakt. Dem Treffen im Dschungel waren Wochen der Planung und eine lange Reise irgendwo ins mexikanische Hinterland vorausgegangen.

Das Magazin druckte ein Foto, auf dem sich Penn und Guzmán die Hand geben. "El Chapo" wird mit den Worten zitiert: "Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgendjemand sonst in der Welt. Ich habe eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen." (Weitere Aussagen aus dem Interview lesen Sie hier.)

"El Chapo" war am 11. Juli 2015 durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnelaus dem Gefängnis El Altiplano entkommen. Am vergangenen Freitag wurde er schließlich gefasst, knapp ein halbes Jahr nach seinem Ausbruch. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez will Guzmán nun an die USA ausliefern, am Sonntag wurde offiziell ein entsprechendes Verfahren eingeleitet. In Amerika liegen mehrere Haftbefehle gegen Guzmán vor, die US-Behörden werfen ihm unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor.

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Am Freitag hatte Gómez berichtet, die Behörden seien über Treffen Guzmáns mit Regisseuren und Schauspielern im Bilde gewesen, und diese hätten bei seiner Ortung geholfen. Der Drogenboss habe offenbar gehofft, es werde ein Film über ihn gedreht. Ein mexikanischer Regierungsmitarbeiter präzisierte am Samstag: "Wir wussten von diesem Treffen."

Am Sonntag verlautete dann aus Ermittlerkreisen, Penn und del Castillo sollten vernommen werden. Nach Angaben eines mexikanischen Regierungsvertreters ist noch unklar, ob die Schauspieler mit dem Interview gegen Gesetze verstoßen haben. Zwar könne ein Reporter einen mutmaßlichen Drogenhändler interviewen. Penn und del Castillo seien aber "keine Journalisten", sagte der Regierungsvertreter. Das Weiße Haus wollte sich nicht dazu äußern.

Kritik kam auch von dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ein Schauspieler, der den Vereinigten Staaten seine Karriere verdanken, habe natürlich das "verfassungsmäßige Recht, sich bei einem Verbrecher und Drogenhändler einzuschleimen", sagte der Senator. "Ich finde das aber grotesk."

Wer ist Sean Penn?

Der 55 Jahre alte Penn hat sich in der Vergangenheit häufig als Kritiker Hollywoods inszeniert. Auch in das politische Geschehen mischte er sich regelmäßig ein.

2002 rief er beispielsweise den damaligen US-Präsidenten George W. Bush mit einer Anzeige in der "Washington Post" auf, einen Krieg im Irak zu vermeiden. Im gleichen Jahr flog er nach Bagdad und besuchte ein Kinderkrankenhaus. Nach dem Hurrikan "Katrina" 2005 in New Orleans half er bei der Bergung von Überlebenden. Nach dem schweren Erdbeben in Haiti 2010 gründete er eine Hilfsorganisation für die Opfer. Im Jahr 2012 unterstützte Penn in Venezuela den Wahlkampf von Präsident Hugo Chávez. Nach dem Tod des Politikers 2013 nahm Penn an der Beerdigung seines "Freundes" teil.

Der Schauspieler wurde zweimal mit dem Oscar ausgezeichnet, für die Hauptrollen in "Mystic River" (2004) und "Milk" (2009). Penn war in den Achtzigerjahren mit Madonna verheiratet. Seine zweite Ehe mit Kollegin Robin Wright scheiterte 2010. Penn hat zwei Kinder.© SPIEGEL ONLINE