Für zwei junge Frauen ist ihre Abenteuerreise in Australien zu einem Horrortrip geworden. Sie werden von einem Mann brutal misshandelt, vergewaltigt und fast getötet. Der Fall erinnert an Verbrechen Ende der 1980er und 1990er – und an den Horrorfilm "Wolf Creek". Die Polizei prüft nun einen Zusammenhang zu vergangenen Vermisstenfällen.

Im Süden Australiens sind am Dienstag zwei Rucksacktouristinnen attackiert, vergewaltigt und dabei schwer verletzt worden. Wie mehrere australische Medien berichten, trafen die Freundinnen einen 59-Jährigen aus Adelaide vor ihrem Trip in den Coorong-Nationalpark.

Genauere Details, wie sie den Angreifer kennengelernt haben, sind noch nicht bekannt.

Bei den Frauen soll es sich um eine Deutsche in den Zwanzigern und eine 23 Jahre alte brasilianische Krankenschwester handeln.

Die Freundinnen sollen mit dem Mann zusammen von Adelaide nach Melbourne aufgebrochen sein. Sie hätten dann am Salt Creek, 200 Kilometer von Adelaide entfernt, gestoppt – offenbar an einem Ort, der dem mutmaßlichen Vergewaltiger vertraut ist.

Mehrere im Internet veröffentlichte Fotos zeigen den mutmaßlichen Täter, dessen Identität von der Polizei nicht bekannt gegeben wird, beim Campen in Salt Creek.

Die beiden Frauen wurden beim Zelten von dem 59-Jährigen überwältigt und schwer misshandelt. Der Brasilianerin gelang schließlich die Flucht. Fischer entdeckten sie gegen 18:30 Uhr nackt und blutüberströmt am Strand.

Opfer war mit Blut bedeckt

Einer der Retter, Abdul-Karim Mohammed, erzählte, wie er die verletzte Frau entdeckte. "Sie rannte direkt zum Auto und schrie. Sie öffnete die hintere Türe, sprang rein und sagte: 'Holt mich hier raus. Er wird uns alle töten'."

Dem Sender Seven News sagte Mohammed: "Sie hatte Kratzer auch an den Beinen. Und es sah so aus, als wäre sie umhergeschleift worden."

Gegenüber der Zeitung "The Australian News" sagte ein Student, der ebenfalls beim Fischen und Augenzeuge war: "Ich habe noch nie so viel Blut gesehen. Sie sah aus als hätte sie dunkle Haut, aber als sie näher kam erkannte ich, dass es getrocknetes Blut war, gemischt mit frischem Blut."

Deutsche und Brasilianerin Opfer eines grausamen Verbrechens.

Die 23-jährige Brasilianerin erzählt ihren Rettern Ali Mohammed und Abdul-Karim Mohammed, dass der Mann sie angegriffen habe. Eine der Frauen habe er mit einem Hammer geschlagen. Aus Angst um die noch vermisste Freundin alarmierten die Retter zunächst das in der Nähe befindliche Roadhouse in Salt Creek. Dann suchten sie nach der Deutschen.

Sie fanden sie schließlich in einem Auto nahe der Dünen – unfähig zu sprechen. "Leider waren sie (die Frauen, Anm. d. Red.) in einem ziemlich schlechten Zustand", sagte Adam Stewart, Inhaber des Roadhouse dem Sender Seven News.

Die beiden Frauen wurden anschließend ins Flinders Medical Centre geflogen. Während die 23-jährige Brasilianerin Medienberichten zufolge das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen konnte, ist ihre Freundin noch unter medizinischer Beobachtung. Sie soll sich in einem stabilen Zustand befinden.

59-Jähriger festgenommen

Kurz nach der Rettung der beiden Frauen nahm die Polizei im Coorong-Nationalpark ihren mutmaßlichen Angreifer fest. Das teilte die Behörde in einer Pressemitteilung mit. Dem 59-Jährigen werden demnach versuchter Mord und Entführung vorgeworfen.

Obwohl die Polizei die Identitäten der Frauen und des mutmaßlichen Vergewaltigers unter Verschluss hält, werden immer mehr grausame Details bekannt. Australischen Medien zufolge wurden ein Fischermesser und ein Fischerhaken sichergestellt. Außerdem soll der 59-Jährige ein Waffennarr sein.

Im Internet veröffentlichte Bilder zeigen ihn beim Posen mit seiner Waffenkollektion und erlegten Haien. Auf einem Foto, das er in einem Social-Media-Forum postete, sind fünf Waffen und jede Menge Munition zu sehen. Die Polizei, die das Haus des mutmaßlichen Täters durchsuchte, stellte Gegenstände sicher, die "beunruhigen", so die Beamten.

Polizei gibt grausames Detail zum Münchner "Studentenmord" bekannt.

Nach der Festnahme des Mannes wurden schnell Online-Aktivitäten des mutmaßlichen Täters publik. Auf unterschiedlichen Facebook-Accounts soll er nach einer Frau zum Heiraten gesucht haben – einer Frau zwischen 22 und 56 Jahren. Er selbst habe sich als athletisch und sehr groß beschrieben.

Die Polizei arbeitet nun mit Hochdruck daran, den Fall in allen Einzelheiten aufzuklären und den Hintergrund des Mannes zu beleuchten.

Der Bürgermeister der nahe gelegenen Gemeinde zeigte sich über den Fall schockiert und lobte den Einsatz der Fischer. "Die Helden sind die jungen Männer", sagte Bürgermeister Neville Jaensch dem staatlichen Sender ABC über die Retter der Frauen.

Polizei prüft Vermisstenfälle

Der Fall erinnert in seiner Brutalität an einen der grausamsten Horrorfilme der letzten Jahre: "Wolf Creek". In dem Streifen werden Backpackers von einem Mann entführt und zu Tode gequält. In den Medien wird deshalb bereits vom "Wolf Creek"-Kidnapper gesprochen.

Zudem weckt die Tragödie Erinnerungen an die Morde in den 1980er und 1990er Jahre im Osten Australiens. Damals waren sieben junge Touristen von dem als "Backpacker-Mörder" bekannt gewordenen Ivan Milat getötet worden. Die Fälle provozierten Abscheu und Entsetzen.

Noch heute wird gerätselt, ob Milat die Morde allein begangen, oder ob ihm jemand dabei geholfen hatte.

Die australische Polizei hat inzwischen eine Task Force aus zwölf Beamten gebildet, um den Fall zu untersuchen. Man wolle herausfinden, ob der 59-Jährige möglicherweise an anderen Verbrechen beteiligt war.

Unter anderem versucht die Polizei herauszufinden, ob es Verbindungen zu vermissten Personen gibt. Allerdings: "Zu diesem Zeitpunkt ist es unmöglich zu sagen, wohin uns das führen wird", heißt es in einem Statement der Australischen Polizei.