Blitzeis stoppt einen IC in Ostfriesland. Hunderte Passagiere verbringen die Nacht im Zug oder im Notquartier. Auch viele Autofahrer werden von den Folgen der Kälte überrascht.

Der Wintereinbruch in weiten Teilen Deutschlands hat die Pläne zahlreicher Bahnreisender und Autofahrer durchkreuzt.

Hunderte Bahnpassagiere im ostfriesischen Norddeich mussten die Nacht im beheizten Zug oder in der Halle einer Fährgesellschaft verbringen, nachdem vereiste Oberleitungen einen Intercity nach Köln am Sonntag gestoppt hatten, wie ein Bahnsprecher sagte.

Erst gegen 9.30 Uhr am Montag konnte der Zug seine Fahrt mit rund 22 Stunden Verspätung fortsetzen - bis er wegen einer Weichenstörung in Emden kurzzeitig erneut strandete. Die Fahrgäste waren nachts von Helfern der Bahn und des Roten Kreuzes mit Getränken und Mahlzeiten versorgt worden.

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Der Winter ist da - und hat Deutschland nun fest in der Hand. Hier ein paar Eindrücke, welche Folgen der Schnee mit sich brachte.

Ärger über Deutsche Bahn

Die Panne in Emden konnte laut Bahn nach zehn Minuten behoben werden - dennoch schlug die weitere Zwangspause auf die Stimmung im Zug, berichtete Fahrgast Maximilian Mühlens. "Hier ist es spiegelglatt. Aber in Russland fahren die Züge ja auch", sagte der Student aus Bonn. "Warum das bei der Bahn nicht klappt, ist mir ein Rätsel."

An Bord des IC2203 waren Mühlens zufolge etwa 600 Passagiere, darunter 30 Kinder. "Von der Bahn kamen leider keine Infos, ob man zum Beispiel ein Hotelzimmer nehmen oder wie es weitergehen kann", sagte der Berliner Lokalpolitiker Thorsten Schatz (CDU), der nach eigenen Worten ebenfalls im Zug war.

Ein anderer IC von Köln nach Emden, der am Sonntag etwa einen Kilometer vor dem Bahnhof Emden vermutlich wegen einer vereisten Weiche liegen geblieben war, wurde geräumt. "Die Passagiere sind die kurze Strecke bis nach Emden zu Fuß gegangen", sagte ein Bahnsprecher.

Niedersachsen und Bremen: Über 300 Unfälle in 24 Stunden

Spiegelglatte Straßen überraschten auch viele Autofahrer. In Niedersachsen und Bremen gab es binnen 24 Stunden mehr als 300 Unfälle. Allein die Polizeidirektion Oldenburg meldete am Montag in einer ersten Bilanz 183 Unfälle. Bei 16 davon wurden Menschen verletzt. "Es hätte noch schlimmer kommen können", sagte ein Sprecher dennoch.

Im Südwesten lösten Schnee und Glatteis am Montag ebenfalls mehrere Staus und Unfälle aus. Auf der Autobahn 8 zwischen Ulm und Merklingen blockierten etwa 20 Lastwagen beide Fahrspuren in Richtung Stuttgart, wie die Polizei mitteilte.

Wenn es rutschig auf den Straßen wird, helfen diese Tipps.

Auf einer Bundesstraße in der Nähe von Meßkirch wurde ein Fahrer bei der Kollision zweier Lkw laut Polizei leicht verletzt. Auch in Bayern wurden laut Polizei bei Schnee- und Glätteunfällen mehrere Menschen verletzt.

In Berlin legten Weichenstörungen drei S-Bahn-Linien lahm, nachdem es in der Nacht zum Montag teilweise bis unter minus zehn Grad kalt geworden war. Die Ursachen der Weichenstörungen waren zunächst unbekannt.

Die Betreiber der S-Bahn versuchen bereits seit Jahren zu verhindern, dass die Weichen bei hohen Minustemperaturen einfrieren.

Die Kälte beeinträchtigte auch die Löscharbeiten der Feuerwehr: In Mecklenburg-Vorpommern konnte ein Brand auf dem Gelände einer Recyclingfirma in Malchow erst nach Stunden unter Kontrolle gebracht werden.

"Uns sind immer wieder die fast ein Kilometer langen Schläuche eingefroren", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr am Sonntagabend.© dpa