Nach dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling in Bayern suchen Ermittler weiter nach den Gründen für den folgenschweren Frontalzusammenstoß, bei dem am Dienstag zehn Menschen ihr Leben verloren hatten. Licht ins Dunkel könnte einer der Zugführer bringen, der das Unglück überlebt hat.

Claus Weselsky, Chef der Lokführergewerkschaft GDL, hatte der Zeitung "Die Welt" erklärt, dass sich in jedem Führerstand der beiden Meridian-Züge je zwei Lokführer befunden hätten - in einem ein Lehrlokführer der Bayerischen Oberlandbahn.

Bei dem schweren Zugunglück im bayerischen Bad Aibling waren Dutzende Feuerwehrleute, Ärzte, Sanitäter und Polizisten vor Ort. Die Erfahrung zeigt: Manche Ersthelfer benötigen nach solchen Katastrophen psychologische Unterstützung – vor allem die vermeintlich harten Jungs, verrät uns ein Experte.

Einer der Lokführer hat das Unglück überlebt. Derzeit wird der Schwerverletzte im Krankenhaus behandelt. Auf ihn stützen sich Hoffnungen, konkrete Hinweise zu den Hintergründen des Zusammenstoßes zu erfahren.

Ob er allerdings bereits von den Ermittlern vernommen werden konnte, ist bislang unklar.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass der Fahrdienstleiter im Stellwerk in Bad Aibling beiden Zügen gleichzeitig die Einfahrt auf den eingleisigen Streckenabschnitt erlaubt hätte.

Menschliches Versagen oder technische Störung?

Doch an dieser These kommen nun wieder Zweifel auf. Denn einerseits hätte der Fahrdienstleiter gleich mehrere Sicherheitssysteme bewusst außer Kraft setzen müssen, zum anderen hätten diese Maßnahmen von den Lokführern im Führerstand teilweise bestätigt werden müssen.

Im Fall eines sogenannten "Ersatzsignals", welches die Befahrung der eingleisigen Strecke bei einer technischen Störung der Sicherungssysteme ermöglichen soll, dürfen die Züge die Strecke nur in deutlich verminderter Geschwindigkeit befahren.

Es gilt jedoch als erwiesen, dass beide Treibwagen mit hoher Geschwindigkeit aufeinandergeprallt sind. Viele Fragen bleiben bislang also weiter unbeantwortet. Der verletzte Lokführer sowie die weitere Auswertung der Blackboxes könnten Klarheit schaffen.

Der Betreiber der beiden verunglückten Züge, Transdev, hat unterdessen erklärt, der Opfer der Katastrophe bei Bad Aibling in einer Schweigeminute gedenken zu wollen.

Am Donnerstagmittag soll es eine Gedenkminute in allen Bahnen und Bussen von Transdev und den Tochterunternehmen weltweit geben, wie es in einer Mitteilung in Berlin hieß.

Unter den zehn Menschen, die am Dienstag bei dem Zusammenstoß zweier Personenzüge in Oberbayern starben, waren auch Transdev-Mitarbeiter.

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