Es ist das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren: Zwei Züge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) rasen am Dienstag in Bad Aibling ineinander, mindestens zehn Menschen sterben. Doch wie kann so etwas passieren? Ein Experte klärt auf.

Nach dem schweren Zugunglück in Bayern konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass die Tragödie im oberbayerischen Bad Aibling durch menschliches Versagen ausgelöst worden war.

Zugunglück bei Bad Aibling kostet zehn Menschen das Leben.

Die bisherigen Ermittlungen der Bundespolizei hätten laut "Süddeutscher Zeitung" ergeben, dass der Fahrdienstleiter im Stellwerk beiden Zügen gleichzeitig die Einfahrt auf den eingleisigen Streckenabschnitt erlaubt hatte.

Bei dem Unglück waren mindestens zehn Menschen getötet und rund 80 verletzt worden. Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren.

Heino Seeger, einst selbst Lokführer, später Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und heute Chef der Tegernsee-Bahn, erklärt im Interview mit dem "Münchner Merkur" die möglichen Hintergründe der Katastrophe.

Seegers Meinung zufolge liegt dem Unglück ein Fehler - technischer oder menschlicher Art - an der Stelle des betrieblichen Ablaufs zu Grunde, "bevor ein Zug ein- oder abgelassen wird."

Laut Experte könne ein Unfall wie in Bad Aibling "eigentlich nicht passieren." Dafür sei die Technik zu ausgereift. Doch wenn diese ausfalle, liege "die Rückfallebene in der Hand des Menschen."

Grundsätzlich könne ein Zug nicht eine Strecke befahren, die per Signal für ihn gesperrt ist. Er werde sofort zwangsgebremst. Die Fahrdienstleiter im Start- und Zielbahnhof, die für den reibungslosen Ablauf des Verkehrs Sorge tragen, können diesen Mechanismus laut Seeger jedoch aufheben - was nach jüngsten Erkenntnissen passiert sein soll.

Eine Ausnahmegenehmigung, damit ein Zug ein Haltesignal überfahren darf, müsse per schriftlichem Befehl des Fahrdienstleiters erteilt werden. Auch ein Ersatzsignal sei möglich, meint Seeger.

Alle Maßnahmen werden aufgezeichnet

Was genau in Bad Aibling passiert ist, könne im Normalfall lückenlos rekonstruiert werden. Denn sowohl der Zugfunk als auch die Maßnahmen der Fahrdienstleiter und der Lokführer werden aufgezeichnet. Über alle Kommunikationen werde ein Protokoll angefertigt, sagt der Experte.

Derzeit werden die Blackboxen aus den Zügen ausgewertet. "Das nimmt Zeit in Anspruch, und diese Zeit nehmen wir uns auch", sagte ein Polizeisprecher am Mittwochvormittag. Eine von drei Blackboxen wird noch immer unter den Trümmern vermutet.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, war zunächst unklar.

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Mit Material der dpa