Das Zugunglück von Bad Aibling wurde durch menschliches Versagen verursacht. Das haben die Staatsanwaltschaft und die Ermittler eine Woche nach dem schweren Unglück mit elf Toten auf einer Pressekonferenz mitgeteilt.

Bereits eine Woche ist seit dem Zugunglück von Bad Aibling vergangen. Am frühen Morgen des 9. Februar waren zwei Regionalzüge frontal zusammengestoßen. Elf Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt.

Bereits kurz nach dem Unglück waren Gerüchte aufgekommen, wonach es sich bei der Unfallursache um menschliches Versagen handeln solle. Nun sind die Ermittler an die Öffentlichkeit gegangen. Sie bestätigen: Ja, es war menschliches Versagen.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Ermittler:

  • Die Staatsanwaltschaft hat schon kurz nach dem Unglück gegen den zuständigen Fahrdienstleiter ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Der Fahrdienstleiter habe sich nach anfänglicher Aussageverweigerung inzwischen ausführlich geäußert.
  • Hätte sich der Fahrdienstleiter regelgemäß verhalten, wäre es nicht zum Zugunglück von Bad Aibling gekommen.
  • Es gibt keinen Anhaltspunkt für ein technisches Versagen der Züge.
  • O-Ton des Staatsanwalts Wolfgang Giese: "Es geht um menschliches Versagen mit katastrophalen Folgen".
  • Die Handlungen seien jedoch nicht vorsätzlich herbeigeführt worden.
  • Bei dem Fahrdienstleiter handle es sich um einen 39-jährigen verheirateten Mann mit mehrjähriger Berufserfahrung, der seinen Dienst am Unglückstag um 5:00 Uhr morgens begonnen hatte.
  • Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen wurde ein Sondersignal gegeben, das nicht hätte gegeben werden dürfen.
  • Die Ermittler haben keinerlei Hinweise darauf, dass der Fahrdienstleiter zum Zeitpunkt des Unglücks betrunken war oder unter Drogen stand. Auch sonstige Auffälligkeiten gibt es nicht.

Des Weiteren bittet die Polizei darum, dass sich Betroffene, die in den verunglückten Zügen saßen und sich danach unverletzt vom Ort des Geschehens entfernen konnten, bei den Beamten melden. Damit soll endgültig festgestellt werden, wie viele Personen in den Zügen saßen.

Helfer von Unglücken erleben oft traumatische Situationen.

Weitere Interna zur Vernehmung des 39-jährigen Fahrdienstleiters will die Staatsanwaltschaft nicht herausgeben. Die Haftfrage stelle sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Der Verdächtige sei von seinen Verteidigern zu seinem eigenen Schutz an einen sicheren Ort gebracht worden. "Ihm geht es nicht gut", erklärt Staatsanwalt Giese.

Noch ungeklärt ist die Frage, ob es eine Möglichkeit gegeben hätte, das Zugunglück noch zu verhindern, nachdem das Sondersignal gegeben wurde. Und falls dem so sei, wer die Möglichkeit gehabt hätte, das Unglück aufzuhalten.

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