Ein Gutachter hat erhebliche Zweifel am Testament des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt aufkommen lassen. Gurlitt soll an an "paranoiden Wahnideen" gelitten haben, meldet die "Süddeutsche Zeitung".

Cornelius Gurtlitts Cousin und Cousine hatten das Gutachten in Auftrag gegeben. Sie waren im Testament des Münchner Kunstsammlers übergangen worden. Laut der Expertise von Psychiater und Jurist Helmut Hauser, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt, soll Gurlitt an "paranoiden Wahnvorstellungen" gelitten haben, als er sein Testament verfasste. Hausner schreibt, Gurlitt habe sich seit Jahrzehnten von Nazis verfolgt gefühlt. Er habe zudem befürchtet, man wolle ihm alle seine Bilder wegnehmen.

Zudem zitiert der Psychiater aus dem Gutachten, auf dessen Grundlage Gurlitt 2013 unter Betreuung gestellt wurde. Darin heißt es, er sei "der Vergangenheit des dritten Reichs verhaftet".

Laut Haunser führe das nicht zwangsläufig zur Testierunfähigkeit, dennoch sei Gurlitts Entscheidung, seine Bilder nach Bern zu vermachen, in der Wahnvorstellung begründet, die Sammlung würde sonst Nazis in die Hände fallen.

Ob das Testament nun angefochten wird, steht noch nicht fest.

Cornelius Gurlitt war Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, erbte dessen legendären, vor allem in der Nazi-Zeit erworbenen Kunstschatz. Die Staatsanwaltschaft hatte die Sammlung im Februar 2012 beschlagnahmt, diese erst im April aufgehoben. Daneben hatte Gurlitt auch 238 Werke in seiner Zweitwohnung in Salzburg gehortet. (ska)