Seit den Anschlägen von Paris ist auch in Deutschland die Angst vor Terror gestiegen. Auf den Weihnachtsmärkten blieb es ruhig. Für viele Bürger ist die Gefahr damit nicht vorüber. Bei der großen Silvester-Feier in Berlin sorgen mehr Polizisten für Sicherheit. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius warnt: "Wir stehen im Fadenkreuz des IS."

Zwei Drittel der Bundesbürger rechnen mit einem Anschlag der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Deutschland im nächsten Jahr. Nur 17 Prozent glauben nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur nicht daran. Weitere 17 Prozent machten keine Angaben.

Deutschland ist bisher von größeren islamistischen Terroranschlägen verschont geblieben. Am 13. November waren bei einem Anschlag des IS in Paris 130 Menschen getötet worden. Als Reaktion darauf beteiligt sich Deutschland nun an den Luftangriffen gegen den IS in Syrien und im Irak. YouGov befragte zwischen dem 21. und 23. Dezember 2.031 Bundesbürger.

Erhöhte Polizeipräsenz bei Silvesterparty

Mit erhöhter Polizeipräsenz findet am Donnerstagabend in Berlin Deutschlands größte Open-Air-Silvesterparty statt. Mehrere Hunderttausend Menschen werden auf der Feiermeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule erwartet.

Zwar gibt es nach Polizeiangaben keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen in der Hauptstadt. Es herrsche aber eine hohe abstrakte Gefährdung. Mehr Polizisten seien im Einsatz als im Vorjahr - insbesondere rund um die zentrale Feier. Dort sollen 900 Beamte für Sicherheit sorgen, 150 mehr als vergangenes Silvester.

Rückschlag für den IS: Extremisten-Anführer plante weitere Anschläge.

Terrorgefahr wird hoch bleiben

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht davon aus, dass die Terrorgefahr in Deutschland auf absehbare Zeit hoch bleibt. Der Minister sprach bei der Vorstellung einer neuen Spezialeinheit der Bundespolizei zur Terror-Abwehr Mitte Dezember von einem neuen Tätertyp, auf den sich Sicherheitsbehörden einstellen müssten - hochaggressiv, mit schweren Waffen.

Es könnten Einzeltäter, Gruppen oder Rückkehrer aus dem IS-Kampf sein, die Anschläge verüben wollten.

"Wir stehen im Fadenkreuz des IS"

Die Deutschen müssen nach Ansicht von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) lernen, dauerhaft mit einer latenten Terrorgefahr wie etwa durch die IS-Terrormiliz umzugehen. "Wir stehen im Fadenkreuz des sogenannten IS als Unterstützer der Front gegen ihn", sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Franzosen und die Engländer haben in den vergangenen Jahrzehnten damit leben gelernt; für uns Deutsche rückt diese abstrakte Gefahr eines Terroranschlags erst seit einigen Jahren näher: Auch wir werden lernen müssen, damit zu leben."

Schuld daran sei auch eine völlig neue Form des Terrorismus. "Der Terrorismus ist unberechenbarer geworden."

IS tötete Hunderte angebliche Spione seit Ausrufung seines "Kalifats".

Nicht mehr staatliche Organe oder Repräsentanten stünden im Visier der Terroristen wie früher bei der terroristischen "Roten Armee Fraktion (RAF)". Den IS-Attentätern sei es egal, wen sie treffen. "Im Gegenteil: Sie haben es ganz bewusst auf die allgemeine Bevölkerung abgesehen, um Angst zu schüren und uns zu veranlassen, unsere Werte infrage zu stellen. Wir sollen unser Leben verändern aus Angst vor ihrem Terror."

Terrorismus kann "jederzeit" in Deutschland stattfinden

Davor dürfe die Gesellschaft aber nicht in die Knie gehen, forderte Pistorius eindringlich. "Dem müssen wir uns entgegenstellen als Gesellschaft, die entschlossen ist, die kritisch diskutiert, die offen ist, die sich aber auch zugleich geschlossen gegen diejenigen stellt, die unsere Werte und unser Leben gefährden."

Nach den Anschlägen von Paris und der Länderspielabsage in Hannover dürfte jedem klar sein, so der Minister, dass der Terrorismus auch jederzeit in Deutschland stattfinden kann.© dpa