Mit breiter Brust sind die Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) in diese Landtagswahlen hineingegangen - mit noch mehr Selbstvertrauen kommen sie heraus. Sachsen, Thüringen, Brandenburg: Von null auf drei Landtage binnen zwei Wochen. Und das jeweils zweistellig. Vor allem in der Union schwelt nun die Debatte, wie mit der AfD in Zukunft umgegangen werden soll.

"Man kann es einfach nicht mehr abstreiten, die Bürger dürsten nach einer politischen Erneuerung im Lande", sagt AfD-Chef Bernd Lucke am Sonntag, als er vor die jubelnden Parteimitglieder auf der Wahlparty in Potsdam tritt. Und: "Sie dürsten nach dieser Erneuerung, weil sie die Profillosigkeit der Alt-Parteien satt haben."

Lucke spricht von einem "fantastischen Wahlergebnis", weil die AfD in Brandenburg und Thüringen erneut ein zweistelliges Ergebnis erzielt hat. Herrschte auf der Berliner Wahlparty zur Abstimmung in Sachsen vor zwei Wochen noch zurückhaltende Freude, jubeln die Anhänger in Potsdam nun lautstark. Auch das Ausscheiden der FDP aus beiden Landesparlamenten sorgt für laute, helle Freude bei den vorwiegend männlichen Parteifreunden.

AfD vor Durchbruch? Pressestimmen zu den Landtagswahlen.

Die AfD stehe für vernunft- und wertorientierte Politik, sagt Lucke hoch erhobenen Kopfes. "Dafür werden wir anerkannt von den Bürgern, und das offenbar von Wahl zu Wahl mehr." Man werde gegen den Euro zu Felde ziehen und sich für haushaltspolitische Stabilität einsetzen, verspricht ein strahlender Parteichef.

Union diskutiert über Umgang mit der AfD

Auch mit den Themen "Zuwanderung" und "Innere Sicherheit" spricht die AfD gerade im Osten viele Menschen an, die zuletzt die CDU gewählt hatten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat deshalb die Parole ausgegeben: Wir arbeiten nicht mit der AfD zusammen, kümmern uns aber um solche Themen, mit denen sie erfolgreich Wahlkampf gemacht haben.

Am Tag nach der Wahl betonte Fraktionschef Volker Kauder erneut diese Linie und schloss eine Zusammenarbeit erneut kategorisch aus. "Wir haben einen klaren Kurs, keine Koalitionen mit der AfD", sagte er. Die Union müsse sich mit den Themen der AfD auseinandersetzen, nicht mit der Partei. "Wir bleiben bei unserem Kurs, wir sagen den Menschen, was wir wollen, was wir vorhaben, wir werben für unseren Kurs."

Das sehen aber nicht alle in der Union so: Der konservative Berliner Kreis hatte nach den AfD-Erfolgen einen Kurswechsel gefordert. Die Strategie der Union, die AfD zu ignorieren, sei fehlgeschlagen, bemängelt die Gruppe nach Angaben der "Bild"-Zeitung in einem dreiseitigen Papier. Die Autoren, darunter CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach und Hessens früherer CDU-Fraktionschef Christean Wagner, fordern die Unionsspitze auf, programmatisch auf die konservativen Wähler der AfD zuzugehen.

CSU-Chef Horst Seehofer hat die Union hingegen zur Geschlossenheit, Tatkraft und einer verlässlichen Politik ermahnt. Zugleich rief er die beiden Schwesterparteien auf, mehr als bisher auf die Sorgen, Nöte und Wünsche der Bevölkerung zu hören. Politik müsse sich um die Themen kümmern, die die Menschen bewegen. "Der beste Schutz gegen die AfD ist eine gute eigene Politik", sagte Seehofer am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München.

Oppermann: "AfD ist Gefahr für Deutschland"

Natürlich müsse man sich auch mit der einen oder anderen Position der AfD auseinandersetzen. "Aber wir können uns nicht diktieren lassen und nicht treiben lassen von der AfD", betonte der bayerische Ministerpräsident. "Wir müssen uns auf uns selbst besinnen, auf unsere Stärken, auf unsere Politik, die kommunizieren, vermitteln", sagte Seehofer. "Die Qualität unserer Politik entscheidet über die Zukunft der AfD."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat am Tag nach der Wahl alle Parteien zur offensiven Auseinandersetzung mit der rechtskonservativen Alternative für Deutschland aufgerufen. Die Partei sei eine Gefahr für Deutschland, sagte Oppermann am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Sie wolle raus aus dem Euro, was Hunderttausende Arbeitsplätze kosten würde, sie mache Stimmung gegen Einwanderer, sie sorge für eine soziale Spaltung der Gesellschaft. "Wir müssen aufzeigen, wohin es führt, wenn diese AfD Einfluss in Deutschland bekommt."

Oppermann wies darauf hin, dass die AfD bei den jüngsten Wahlen Stimmen von Wählern aller Parteien bekommen habe. "Richtig ist, dass die AfD in allen Gewässern fischt." Vor allem die Union habe diese Herausforderung aber bisher nicht angenommen. Da müssten jetzt klare Signale kommen. "Es ist eine Herausforderung für alle, dass am rechten Rand dieser Gesellschaft keine Partei wie die AfD entsteht." (dpa/cai)