Istanbul (dpa) - Bei einem Autobombenanschlag auf eine Polizeistation in der südosttürkischen Provinz Diyarbakir sind mindestens fünf Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden.

Das Amt des Provinzgouverneurs machte die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für den Angriff im Distrikt Cinar in der Nacht zu Donnerstag verantwortlich. In einer Mitteilung des Amts hieß es, unter den Toten und Verletzten seien Angehörige von Polizisten aus einer benachbarten Unterkunft für Familien der Beamten. Zeitgleich mit der Explosion hätten die Angreifer das Feuer mit Schusswaffen eröffnet.

Die Nachrichtenagentur DHA meldete sechs Tote bei dem Angriff, darunter ein fünf Monate altes Baby und ein fünfjähriges Kind. Bei der Bombenexplosion seien die Polizeistation und die Unterkunft stark beschädigt worden. Außerdem sei ein benachbartes zweistöckiges Wohnhaus eingestürzt. Die Autobombe sei am Eingang der Unterkunft hinter der Polizeistation detoniert. PKK-Kämpfer hätten außerdem mit Gewehren und Raketen angegriffen. Zwischen Sicherheitskräften und den Angreifern sei es zu einem knapp 40-minütigen Gefecht gekommen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach den Angreifern werde gesucht. Die PKK-nahe Agentur Firat berichtete, zunächst sei es zu einer Autobombenexplosion gekommen, dann sei die Polizeistation mit Raketen angegriffen worden. Das fünfstöckige Gebäude sei zerstört worden. Firat machte keine Angaben zu den Angreifern.

Seit dem Zusammenbruch einer Waffenruhe im Sommer eskaliert der Konflikt zwischen der Regierung und der PKK. Mitte Dezember begann die Armee eine Offensive gegen die PKK. In mehreren Städten geht sie unter anderem mit Kampfpanzern gegen PKK-Anhänger vor, die sich in Wohngebieten verschanzt haben. Im zentralen Viertel Sur in der Kurdenmetropole Diyarbakir sowie in Vierteln der Städte Cizre und Silopi gelten seit Wochen Ausgangssperren.

Seit Mitte Dezember sind alleine in Sur, Cizre und Silopi nach Angaben der Armee mehr als 500 PKK-Kämpfer "neutralisiert" worden. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei kamen in dem Zeitraum in diesen Gebieten rund 100 Zivilisten ums Leben.© dpa