Pakistan ist an Gewalt gewöhnt. Tausende Zivilisten sterben jedes Jahr bei Anschlägen von Islamisten. Aber der Talibanangriff auf die Universität in Charsadda im Nordwesten des Landes trifft einen Nerv - und weckt schlimme Erinnerungen.

Bei einem Überfall islamistischer Taliban-Kämpfer auf eine Universität nahe der pakistanischen Stadt Peshawar sind mindestens 19 Menschen getötet worden. Das sagte ein Mitarbeiter des örtlichen Krankenhauses, Zubair Ali, am Mittwoch.

Der Gesundheitsminister der Provinz, Shaukat Yusufzai, wurde vom Fernsehsender "Geo" zitiert, es seien mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen sind laut Universität und Polizei mindestens zwei Studenten, zwei Wächter, ein Professor und ein Polizist.

Militärsprecher: Gefechte sind beendet

Nach mehr als dreistündigen Schusswechseln berichtete der Sprecher des pakistanischen Militärs, Asim Bajwa, am Mittag, die Gefechte seien beendet. Soldaten durchsuchten den Campus, auf dem sich zum Zeitpunkt des Angriffs etwa 3.000 Studenten aufhielten. Fernsehbilder zeigten, wie Hunderte Studenten flohen.

Terrormiliz beruft sich als Grund auf "außergewöhnliche Umstände".

Auch vier Angreifer wurden getötet. Augenzeugen sprachen von sehr jungen und schwer bewaffneten Tätern. Nach ersten Erkenntnissen waren sie am Morgen geschützt von dichtem Nebel über einen Hintereingang eingedrungen.

Auch die Taliban sprachen von vier Angreifern. Der Sprecher der Talibangruppe Tehrik-e Taliban (TTP) in der Peshawar-Region, Omar Mansoor, rief laut örtlichen Journalisten mittags Medienhäuser an und sagte, die Taliban steckten hinter der Tat. Es sei ein Racheakt für die vom Militär im vergangenen Jahr getöteten "Kameraden". Sie hätten eine Universität angegriffen, "damit die Leute nicht wieder sagen: Wir töten Kinder".

Mansoor nahm damit Bezug auf einen Angriff der Taliban auf eine Schule in Peshawar im Dezember 2014. Damals töteten sie 136 Kinder. Die Tat wurde zum nationalen Trauma und zum Ausgangspunkt einer neuen Strategie gegen einige der militanten Gruppen im Land, vor allem gegen die verschiedenen Talibangruppen. Viele Pakistaner sprachen in den sozialen Medien über ein "schreckliches Gefühl des Deja-vu".

Anschlagswarnungen am vergangenen Samstag

Schulen in Peshawar waren schon am Samstag geschlossen geblieben, nachdem Behörden Anschlagswarnungen erhalten hatten.

Nach Angaben des örtlichen Krankenhauses wurden mindestens 19 Menschen verletzt. Vier seien angeschossen worden.

Der Angriff hatte gegen 9:30 Uhr (Ortszeit) begonnen. Kurz darauf trafen Einheiten des Militärs ein.

Der pakistanische Präsident Mamnoon Hussain und Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilten die Tat scharf. Sharif sagte, Menschen "die unschuldige Studenten und Bürger angreifen, haben keine Religion, und die Regierung wird sie auslöschen."© dpa