Die Sorge vor einer iranischen Atombombe hat die Welt mehr als zehn Jahre umgetrieben. Teheran wurde durch Sanktionen international isoliert. Jetzt soll dem Misstrauen die Wiederannäherung folgen.

In einem historischen Schritt haben die internationale Gemeinschaft und der Iran ihren Streit um das Atomprogramm Teherans beigelegt. Die EU und die USA hoben am Samstagabend ihre Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen die Islamische Republik auf. Damit kann Teheran unter anderem wieder Öl und Gas in die EU exportieren und erhält wieder Zugang zum internationalen Finanzmarkt. Andererseits dürfen Firmen aus dem Westen wieder mit der Islamischen Republik Geschäfte machen.

Hat sich US-Präsident doch zu viel für die zweite Amtszeit vorgenommen?

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte dem Iran am späten Abend bescheinigt, dass er sein Atomprogramm gemäß den Auflagen des Abkommens vom Sommer 2015 massiv zurückgebaut hat. Damit hatte die Organisation grünes Licht für die Aufhebung der Sanktionen gegeben. Die internationale Gemeinschaft hatte große Sorgen, dass Teheran eine Atombombe bauen könnte.

"Eine ermutigende und starke Botschaft"

«Die Beziehungen zwischen dem Iran und der IAEA treten in eine neue Phase. Das ist ein wichtiger Tag für die internationale Gemeinschaft», sagte IAEA-Chef Yukiya Amano in Wien. Das Ergebnis zeige, dass mit politischem Willen, Ausdauer und multilateraler Diplomatie die schwierigsten Probleme lösbar seien, sagten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in einer gemeinsamen Stellungnahme. «Das ist eine ermutigende und starke Botschaft», meinten sie.

Nach Überzeugung von US-Außenminister John Kerry ist die Welt ein sichererer Ort geworden. Gerade mit Blick auf die aktuellen Konflikte in der Region sei es wichtig, dass der Iran nach dem nun erfolgten Rückbau seines Atomprogramms keine Nuklearwaffen mehr bauen könne.

Die Islamische Republik hat gemäß der Vereinbarung unter anderem die Zahl der zur Uran-Anreicherung genutzten Zentrifugen auf rund 6000 reduziert und die Bestände von angereichertem Uran drastisch verringert. Damit werden laut Vereinbarung die für den Iran so schmerzlichen Wirtschaftssanktionen durch UN, USA und EU fallen.

Neue Perspektiven der Zusammenarbeit

«Heute ist ein großer und guter Tag für die ganze Welt», hatte Teherans Außenminister Sarif bereits vor Beginn der zuletzt rund zehnstündigen Verhandlungen gesagt. Mit der Umsetzung des Atomabkommens eröffneten sich neue Perspektiven für eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen.

Der Schritt soll nach dem Willen der Verhandler auch einen Neubeginn in den bisher extrem frostigen Beziehungen zu Teheran markieren. Speziell das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran war seit der Islamischen Revolution 1979 vergiftet. Aus Angst vor einer etwaigen iranischen Atombombe waren die Sanktionen in den vergangenen zehn Jahren eingeführt und immer mehr verschärft worden. Nun könnte auch die deutsche und die europäische Industrie von einem Wiederaufleben der Wirtschaftsbeziehungen erheblich profitieren. Der Iran hat bereits erklärt, 114 Flugzeuge des Typs Airbus kaufen zu wollen.

Die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) sowie Deutschland und der Iran hatten sich im Sommer 2015 auf ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des seit mehr als zehn Jahren schwelenden Atomstreits geeinigt.

Iran verringert von 12.000 auf 300 Kilo angereichertes Uran

Laut Vereinbarung musste die Islamische Republik auch den Schwerwasserreaktor Arak zu einem Forschungsreaktor umbauen. Damit kann er kein zum Bau von Atomwaffen nutzbares Plutonium mehr produzieren.

Der Iran hatte zugestimmt, den Bestand an angereichertem Uran von 12 000 Kilogramm auf 300 Kilogramm zu verringern. Auch Auflagen für seine Forschung im Atombereich musste sich Teheran gefallen lassen.

Wesentlicher Punkt der Vereinbarung ist die beispiellos strenge Überwachung des Atomprogramms durch die IAEA. Sollten Probleme auftauchen, können die am Deal beteiligten Staaten die inzwischen etablierte «Gemeinsame Kommission» zur Streitlösung anrufen.© dpa