New York/Kobane (dpa) - Die militärischen Erfolge des Islamischen Staates (IS) im Irak und in Syrien bescheren der Miliz nach Angaben der Vereinten Nationen einen nie dagewesenen Zulauf von Kämpfern aus dem Ausland.

Die UN warnen einem Bericht zufolge, 15 000 Männer und Frauen seien in die beiden Länder gezogen, um dort für die Terroristen oder andere extremistische Gruppen zu kämpfen. In der belagerten nordsyrischen Stadt Kobane wurden bei Luftangriffen der USA und ihrer Verbündeten mindestens 21 IS-Kämpfer getötet.

Die britische Tageszeitung "Guardian" zitierte aus dem UN-Bericht, die ausländischen Kämpfer im Irak und Syrien stammten aus 80 Ländern. "Die Zahlen seit 2010 übertreffen nun um ein Mehrfaches die Summe der ausländischen terroristischen Kämpfer zwischen 1990 und 2010 - und wachsen weiter", heiße es in dem Papier der Vereinten Nationen.

Eine Liste der Länder, aus denen die Dschihadisten kommen, enthalte es nicht. Es gebe aber Beispiele von Kämpfern aus Frankreich, Russland und Großbritannien. Dem Verfassungsschutz zufolge sind bisher nachweislich 450 vor allem junge Menschen aus Deutschland nach Syrien und in den Irak gegangen, um dort für Extremisten zu kämpfen.

Erste Peschmerga-Kämpfer sind in umkämpfter Stadt eingetroffen.

Die Propaganda des IS in verschiedenen Sozialen Netzwerken des Internets spiegele wider, dass seine Mitglieder jung und international seien, heißt es laut "Guardian" in dem UN-Bericht weiter. Der IS habe allein vom Lösegeld für entführte Geiseln inzwischen ein Geldpolster von 45 Millionen US-Dollar angespart.

Die 21 getöteten IS-Kämpfer in Kobane hätten zur "Religionspolizei" der Terrormiliz gehört, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Extremisten versuchten zugleich erneut, die Verbindung zwischen Kobane und der Türkei abzuschneiden.

Der IS belagert die vor allem von Kurden bewohnte Stadt seit Wochen. Die Extremisten beherrschen in Syrien bereits rund ein Drittel der Fläche des Landes. Ein Sieg in Kobane wäre für den IS militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein großer Erfolg, da selbst US-Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können.

Die Verteidiger von Kobane warteten am Freitag weiterhin auf die Verstärkung aus dem Nordirak. Die 150 Peschmerga-Kämpfer halten sich in der Türkei nahe der Grenze zu Syrien für ihren Einsatz in der Stadt bereit. Eine Vorhut hatte am Donnerstag die Lage in Kobane erkundet, war dann aber wieder in die Türkei zurückgekehrt.

Die Peschmerga sollen dabei helfen, die belagerte Stadt zu verteidigen. Vertreter der Kurden in Kobane warfen der Türkei laut Medienberichten vor, die Peschmerga an der Grenze festzuhalten.

Die Regierung in Ankara hatte ihre Erlaubnis gegeben, dass die Kämpfer über ihr Staatsgebiet nach Kobane verlegt werden dürfen. Sie tut sich jedoch mit jeder Hilfe für die kurdischen Volksschutzeinheiten dort schwer, da diese mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden sind. Die PKK ist in der Türkei als Terrororganisation verboten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf dem Westen vor, sich im Kampf gegen den IS nur auf Kobane zu konzentrieren. "Die Leute reden nur über Kobane, das an der Grenze zur Türkei liegt und wo fast niemand mehr ist", sagte er in Paris. "Warum wird dauernd Kobane bombardiert? Warum nicht auch andere Städte wie Idlib?"

Idlib wird von der syrischen Regierung kontrolliert. Die Türkei hat im syrischen Bürgerkrieg vor allem das Ziel, das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu stürzen.

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf dem Assad-Regime vor, in der Nähe der Stadt Homs 36 Menschen zu Tode gefoltert zu haben. Die meisten Opfer stammten aus dem Ort Al-Karatain und seien in Gefängnissen umgebracht worden, erklärten die Menschenrechtler.© dpa