Jerusalem/Ramallah (dpa) - Jerusalem kommt nicht zur Ruhe. Wieder erschüttert ein Anschlag die Stadt. Regierungschef Netanjahu kündigt wie oft zuvor eine "harte Hand" an. Palästinenser fordern ein Ende der Provokationen. Derweil hat sich die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zu dem Anschlag bekannt.

Beim ersten Terroranschlag auf eine Synagoge in Jerusalem haben zwei palästinensische Angreifer vier jüdische Betende getötet. Herbeigerufene Polizisten erschossen danach die beiden Täter, die aus dem arabischen Ostteil Jerusalems stammen. Die Attentäter hatten die gläubigen Juden am Dienstagmorgen in einem Gotteshaus in Har Nof mit Messern und Äxten angriffen und Schüsse abgefeuert. Sieben Menschen wurden nach Angaben von Sanitätern verletzt, darunter auch zwei Polizisten. Es war der jüngste in einer Serie von Anschlägen auf Israelis in den vergangenen Wochen.

Die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) teilte mit, zwei ihrer Mitglieder hätten den Anschlag verübt. Die Organisation rief alle palästinensischen Fraktionen dazu auf, "gemeinsam Widerstand gegen die (israelische) Besatzung zu leisten".

Netanjahu kündigt Vorgehen mit "harter Hand" an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor, für den Anschlag mitverantwortlich zu sein. Während Abbas den Anschlag auf das Gotteshaus und den Tod von Gläubigen verurteilte, sprach die radikal-islamische Hamas von einer "heroischen Tat". Es sei die Rache für den Tod eines arabischen Busfahrers sowie Israels Vorgehen auf dem Tempelberg (Haram al-Scharif).

Nach Angaben der israelischen Polizei hatte der am Sonntagabend erhängt in einem Bus aufgefundene Palästinenser jedoch Selbstmord begangen. Seine Familie beschuldigt jedoch jüdische Extremisten, hinter der Tat zu stehen.

Netanjahu sagte, man werde "mit harter Hand auf den grausamen Mord an Juden reagieren, die beten wollten und die von heimtückischen Mördern getötet wurden". Es war der erste tödliche Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem. Im Jahre 2008 hatte ein palästinensischer Angreifer in einer jüdischen Religionsschule in der Stadt acht Studenten getötet.

Steinmeier befürchtet neue Spirale der Gewalt

US-Außenminister John Kerry verurteilte den Terrorakt und sprach von sinnloser Brutalität. "Diese Gewalt hat nirgends einen Platz", sagte Kerry am Dienstag in London.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer neuen Spirale der Gewalt. "Dass Gotteshäuser zum Schauplatz von tödlichen Angriffen auf unschuldige Gläubige werden, ist eine schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage", sagte Steinmeier am Dienstag bei einem Besuch in Kiew.

In den vergangenen Wochen gab es in Israel und den Palästinensergebieten immer wieder Konfrontationen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern gekommen. Es gab auch eine Serie von Anschlägen auf Israelis. Jüngster Auslöser der Spannungen ist der Streit über den Tempelberg (Haram al-Scharif) in Jerusalems Altstadt, der Juden und Muslimen gleichermaßen heilig ist.© dpa