Inzell (dpa) - Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel ist von ihrer Linie abgewichen und hat die Alternative für Deutschland (AfD) direkt angegriffen. Am Beispiel der Europolitik könne man erkennen, dass die Werte der AfD nichts mit den Werten der CDU zu tun hätten, sagte Merkel am Freitagabend bei einem Kongress der Jungen Union im bayerischen Inzell.

Deutliche Worte fand die Kanzlerin für die AfD in Brandenburg. Diese habe geglaubt, sie komme groß heraus, wenn sie einen Brief an die Linken schreibe, sagte Merkel. Darin habe gestanden, dass es eigentlich nicht schlecht gewesen sei in der DDR, auch Polizei und Kinderbetreuung hätten gut funktioniert.

Sie habe die Polizisten und die Kindergärten in der DDR gesehen, sagte die Kanzlerin, die in der DDR aufgewachsen ist und zum Zeitpunkt des Mauerfalls 35 Jahre alt war. "Damit habe ich nichts, aber auch gar nichts gemein", betonte die CDU-Politikerin.

Aus dem Fleisch der Union oder Nähe zur NPD - ein Experte gibt Antworten.

Die rechtskonservative AfD hatte zuletzt bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen großen Erfolg und zog in allen drei Bundesländern in den Landtag mit zweistelligen Prozentzahlen ein.

Merkel verteidigt Nein zu Luftschlägen gegen die IS

Zudem hat sich Merkel in Inzell gegen eine Aufweichung des strikten Sterbehilfeverbots in Deutschland ausgesprochen. Sie sei dafür, "das Nein möglichst klar zu fixieren". Sie sei "extrem, extrem kritisch gegenüber allen Versuchen, Ausnahmen definieren zu wollen". Merkel warnte, ein immer weiteres, lautloses Verschieben von Grenzen könne sehr, sehr schwierig sein. Sie betonte deshalb: "Ich bin überzeugt, dass wir da eine sehr restriktive Haltung haben sollten." Im Bundestag soll ab diesem Herbst über eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe beraten werden.

Des weiteren verteidigte die Bundeskanzlerin das Nein zu einer Beteiligung Deutschlands an den Luftschlägen gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Es gehe nicht nur darum, an der vordersten Spitze bei militärischem Eingreifen mit dabei zu sein, sagte Merkel am Freitagabend auf dem Deutschlandtag der Jungen Union im bayerischen Inzell. Es gehe darum, "dass wir an der Seite unserer Verbündeten stehen". Und politisches Handeln sei genauso wichtig wie die Luftschläge. "Ich glaube jedenfalls, wir werden unserer Verantwortung gerecht." Sie mache sich keinerlei Vorwürfe, dass dies nicht der Fall sein könnte. (dpa/com)© dpa