Die türkische Regierung war gar nicht amüsiert über eine Satire aus der Sendung "extra 3". Sogar der deutsche Botschafter war zu einer Rechtfertigung einbestellt worden. Jetzt hat sich die Bundesregierung zu dem deutsch-türkischen Satire-Streit geäußert - so wie auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Die Bundesregierung hat den türkischen Protest gegen eine Satire im deutschen Fernsehen nun auch offiziell zurückgewiesen. Staatssekretär Markus Ederer machte am Dienstagabend in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen deutlich, dass die Presse- und Meinungsfreiheit "nicht verhandelbar" sei, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch mitteilte.

Türkischer Präsident nach deutscher Satire auf 180. Ein typischer Reflex.

Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, war zuvor innerhalb von einer Woche zwei Mal in das türkische Außenministerium einbestellt worden.

Beim ersten Treffen verlangte die türkische Seite, dass eine Fernsehsatire des Norddeutschen Rundfunks über Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nicht mehr verbreitet wird. Beim zweiten Treffen ging es um die Teilnahme Erdmanns an einem Prozess gegen regierungskritische Journalisten.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz erklärte, der Wert der Meinungsfreiheit sei auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei verschiedenen Gelegenheiten unterstrichen worden, etwa in der Abschlusserklärung des EU-Gipfels Mitte März.

Auch Jean-Claude Juncker kritisiert Ankara

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat im deutsch-türkischen Satire-Streit der Regierung in Ankara eine Verletzung der Presse- und Meinungsfreiheit vorgeworfen.

"Präsident Juncker hat kein Verständnis dafür, wenn der deutsche Botschafter nur wegen eines satirischen Songs einbestellt wird", sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Brüssel. Der Kommissionschef sei der Überzeugung, dass dies die Türkei weiter von der EU entferne. Der Schritt scheine mit der Wahrung der Presse- und Meinungsfreiheit nicht in Einklang zu stehen.© dpa