Alle lieben Deutschland - wirklich? Laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ja. Demnach wird kein Land im Ausland besser wahrgenommen als Deutschland. Vor allem deutsche Verantwortung in der Politik und erfolgreiche Produkte "Made in Germany" begründeten den Spitzenplatz. Aber auch die Fußball-WM spielt dabei eine wichtige Rolle.

Party-Prolls aus Paderborn, Potsdam oder Passau haben Mallorca fest in ihrer Hand und das Ausland amüsiert sich über die Outdoor-Jacken in gedeckten Farben, die als untrügliches Erkennungsmerkmal deutscher Touristen gelten. Dennoch werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass Deutschland im Ausland vor allem eins ist: beliebt. Das geht aus einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg hervor. Das Institut hat etwa 20.000 Menschen aus 20 Ländern befragt und das nationale Image der Länder in den sechs Kategorien Exporte, Regierung, Kultur, Bevölkerung, Tourismus sowie Immigration und Investitionen untersucht.

Bundesrepublik verdrängt auf Rangliste die USA von Platz eins.

Deutschland verdrängt in der jährlich stattfindenden Erhebung die USA vom ersten Platz. Die Nordamerikaner müssen das Siegertreppchen damit zum ersten Mal seit 2009 räumen. Auf den Plätzen hinter Deutschland und den USA folgen Großbritannien, Frankreich, Kanada, Japan, Italien, die Schweiz, Australien und Schweden. Es fällt auf, dass all diese Länder westliche Industrienationen sind. Dennoch scheint die Studie glaubwürdig. Denn ihr Resultat deckt sich mit den Ergebnissen verschiedener anderer unabhängiger Erhebungen, die den guten Ruf Deutschlands im Ausland dokumentieren.

Ehrlich, fleißig, unbestechlich

2012 untersuchte das renommierte US-amerikanische Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center die Stimmung in Europa. "Deutschland ist die meistbewunderte Nation in der EU", bilanzierten die Forscher. Die Wissenschaftler bescheinigten den Deutschen das Image einer hart arbeitenden Nation, ihre Ehrlichkeit und Resistenz gegenüber Korruption würde geschätzt. Kanzlerin Angela Merkel galt "weithin als erfolgreichste nationale Führungsperson in Europas wirtschaftlicher Krise".

Auch die aktuelle GfK-Studie hebt Deutschlands hohes Ansehen bezüglich seiner Politik hervor: "Deutschland profitiert von seiner Führungsrolle in Europa und seiner international kontinuierlich wahrgenommenen politischen Verantwortung", sagt Studienleiter Simon Anholt.

Briten schätzen Claudia Schiffer, Jägermeister, Rudi Völler und Aldi

Im Mai 2013 kürte gar eine Studie der British Broadcast Corporation (BBC) die Deutschen zur beliebtesten Nation. Bisher galt es als unvorstellbar, dass dies das Ergebnis einer britischen Umfrage sein könnte. 59 Prozent der 26.000 Befragten aus 25 Ländern gaben gegenüber der BBC an, dass Deutschlands Einfluss in der Welt "überwiegend positiv" sei. Sogar die "Sun", die gerne Nazi-Klischees gegenüber Deutschen bedient, formulierte als Reaktion eine Lobrede auf die Deutschen. Das Boulevardblatt allerdings formulierte seine Hochachtung weniger für politische Errungenschaften, sondern huldigte vor allem Claudia Schiffer, deutschen Autos, Jägermeister, Rudi Völlers alter Frisur, außerdem den Discountmärkten Lidl und Aldi.

Vor allem deutsche Produkte tragen schon seit Jahrzehnten zum positiven deutschen Image bei. Im Mai 2014 untersuchte die schweizerische Universität St. Gallen die "Marke" Deutschland. Studienleiter Peter Mathias Fischer bilanziert: "Das Image deutscher Produkte ist weltweit hervorragend. Deutschland punktet besonders bei den Kriterien Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit sowie Weltoffenheit". Daran verdienen die Deutschen auch gut: In der Industrie lasse sich mit der Marke ein im Vergleich zu "Wettbewerbern" mindestens zehn bis 20 Prozent höherer "Preis" erzielen, schreibt der Wissenschaftler. Etwa 4.000 Personen aus 14 Ländern hatten an der Umfrage teilgenommen.

Hippe Hauptstadt: der Berlin-Faktor

Die hohe ökonomische Strahlkraft Deutschlands bestätigt auch die aktuelle GfK-Umfrage. Außerdem seien die deutschen Universitäten beliebt wie nie, inzwischen stamme jeder zehnte Student an deutschen Hochschulen aus dem Ausland. Auch der Berlin-Faktor steigert das Ansehen Deutschlands, die Hauptstadt verbucht jährliche Besucherrekorde, gilt vor allem in den Bereichen Kunst und Kultur als Welt-Metropole mit hohem Anziehungspotenzial.

Den größten Beliebtheits-Push hat Deutschland allerdings im Bereich des Sports erfahren. "Deutschland gewinnt vor allem bei dem Merkmal sportliche Spitzenleistung und erreicht auch deshalb den ersten Platz," schreiben die Analysten in ihrer Untersuchung. Als im Juli 2014 in Brasilien aus dem langjährigen Sieger der Herzen endlich der Fußball-Weltmeister wurde, wirkte sich das extrem positiv auf Deutschlands Image aus. Fußball, die Führungsrolle in Europa, die starke Wirtschaft und die international als kontinuierlich wahrgenommene politische Verantwortung gaben laut GfK den Ausschlag für Deutschlands Topposition.