Nach dem Tod eines 22-Jährigen Palästinensers weiten sich die Proteste in Israel aus. Die neue EU-Außenbeauftragte Mogherini mahnt zur Ruhe und spricht sich für einen Palästinenserstaat aus.

Nach wochenlangen Anschlägen und Ausschreitungen in Jerusalem sind die Unruhen auch auf Nordisrael übergesprungen. Medienberichten zufolge riefen Anwohner der in Galiläa gelegenen Stadt Kafr Kana am Samstag einen Generalstreik aus, nachdem dort in der Nacht ein 22-jähriger Palästinenser von der Polizei angeschossen wurde und später im Krankenhaus gestorben war. Die neue EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, die die Region derzeit besucht, forderte bei einer Pressekonferenz in Gaza ein Ende der Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern.

Nach Angaben der Polizei auf Facebook versuchten die Beamten in Kafr Kana, einen Palästinenser festzunehmen, der eine Blendgranate geworfen haben soll. Dabei sei ein anderer Palästinenser mit einem Messer auf die Polizisten losgegangen. Die Beamten hätten zuerst in die Luft und dann auf den Angreifer gefeuert.

Ein Video der Tat zeigt, wie ein Mann mehrmals mit einem länglichen Gegenstand in der Hand auf ein Seitenfenster eines Polizeifahrzeugs einschlägt. Die Beamten steigen aus und der Angreifer weicht einige Schritte zurück, dann geht er zu Boden. Anschließend brachen in dem Ort mit knapp 20.000 Einwohnern Proteste aus. Die Nachrichtenseite "ynet" berichtete, dass Palästinenser die Polizei mit Steinen beworfen und Autoreifen in Brand gesetzt hätten.

EU-Außenbeauftragte fordert Palästinenserstaat

Seit Wochen kommt es in Jerusalem und auch im Westjordanland zu Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern. Mogherini rief zu weiteren Anstrengungen für eine Zwei-Staatenlösung auf, bei der ein in Frieden neben Israel existierender Palästinenserstaat geschaffen werden soll: "Wir brauchen einen Palästinensischen Staat - das ist das Ziel und die Position der gesamten Europäischen Union", sagte sie im Gazastreifen.

Sie traf dort auch mit vier Ministern der palästinensischen Einheitsregierung aus Fatah und Hamas zusammen, besuchte eine Schule der Vereinten Nationen und sprach mit UN-Mitarbeitern sowie Familien, die während des Gaza-Krieges ihre Häuser verloren hatten. Der Wiederaufbau müsse sofort beginnen, forderte sie.

Mogherinis Gaza-Besuch wäre fast im letzten Augenblick abgesagt worden, nachdem es in dem Küstenstreifen eine Serie von Bombenanschlägen gegen Politiker der als gemäßigt geltenden Fatah gegeben hatte. Niemand bekannte sich zu den Taten, aber die Fatah verdächtigt die dort herrschende radikalislamische Hamas. Die beiden Palästinenserorganisationen stehen sich trotz der vereinbarten Einheitsregierung weiter misstrauisch gegenüber.© dpa