EU-Ratspräsident Donald Tusk äußert sich bei einem internen Treffen im Europäischen Parlament in Brüssel kritisch zur polnischen Regierung. Gleichzeitig rät er seinen Kollegen in Brüssel besonnen zu bleiben.

Nach der harschen Kritik von EU-Spitzenpolitikern an der neuen polnischen Regierung mahnt EU-Ratspräsident Donald Tusk zur Zurückhaltung.

"Ich persönlich sehe viele Aktionen der neuen Regierung sehr kritisch", sagte Tusk eine,m Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge. Das Magazin beruft sich auf Aussagen von Teilnehmern eines Treffens mit der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament am Dienstagabend in Brüssel. "Übertriebene Äußerungen können aber kontraproduktiv sein, unabhängig vom guten Willen meiner Freunde hier in Brüssel."

Tusk hat Zweifel am EU-Verfahren gegen Polen

Die EU-Kommission hatte am Mittwoch erstmals in ihrer Geschichte ein sogenanntes Verfahren zur Überprüfung der Rechtsstaatlichkeit eröffnet, weil die neue polnische Regierung das Verfassungsgericht des Landes aushebeln wolle.

Tusk stellte in Aussicht, dass sich auch der Europäische Rat mit dem Thema beschäftigen könnte. "Ich habe keinen Zweifel, dass das polnische Problem interessant genug ist, um diskutiert zu werden."

Die Entwicklung in Polen sorgt für Alarm-Stimmung in Europa.

Tusk, der vor seinem Amt in Brüssel das Amt des polnischen Ministerpräsidenten innehatte, machte keinen Hehl daraus, dass er zu den neuen Machthabern ein angespanntes Verhältnis hat.

"Für die meisten in der neuen Regierung bin ich Staatsfeind Nummer eins", sagte Tusk, "aus vielen Gründen, aber auch weil ich in Brüssel bin und Präsident des Europäischen Rates." (ink)