Ein aktuell entdeckter Produktionsfehler bei Österreichs Eurofighter-Modellen ist nur eine von vielen Pannen, die Kampfjets betreffend. Eine Chronologie des Versagens.

Betrachtet man das Eurofighter-Chaos der vergangenen 14 Jahre, tun sich Parallelen zur Geschichte der Schildbürger auf. "Wunderseltsame Geschichten" tragen sich zu: Im Jahr 2000 beschloss die damalige schwarz-blaue Regierung die Anschaffung neuer Abfangjäger. Was folgte, waren zahlreiche Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit dem Kauf der Kampfjets sowie eine Reihe gravierender Pannen.

Bundeswehr entdeckt erhebliche Mängel bei "Eurofighter".

Deutsche Inspektoren haben am Rumpfhinterteil des Fliegers "Herstellungsfehler bei einer großen Anzahl an Bohrungen" entdeckt, wie "Spiegel Online" kürzlich berichtete. Folglich ließ auch das österreichische Verteidigungsministerium die Modelle in heimischem Besitz überprüfen und musste einräumen, dass alle 15 Eurofighter des Bundesheers ebenfalls betroffen sind.

Der Mangel hat zur Folge, dass die Haltbarkeit eines Bauteils am Rumpfhinterteil von 6.000 auf 2.000 Flugstunden reduziert wird. Der Produktionsfehler dürfte nach aktuellem Wissensstand allerdings erst in 15 Jahren zu Problemen am Flugzeug führen - vorausgesetzt, die aktuelle Durchschnittszahl der Flugstunden wird beibehalten.

Eine Panne jagt die nächste

Die Geschichte der Eurofighter begann indes schon denkbar schlecht. Aufgrund des Hochwassers im Jahr 2001 wurde eine Reduktion der 24 bestellten Stück auf 18 Flugzeuge vereinbart. 2006 kündigte die SPÖ im Wahlkampf unter dem Motto "Keine Eurofighter unter einem Kanzler Gusenbauer" den Ausstieg aus dem Vertrag an. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen traf der damalige Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) eine Vereinbarung mit dem Hersteller, die Stückzahl auf 15 und den Preis auf 1,7 Milliarden Euro zu reduzieren.

Dass die Eurofighter nachtblind sind, wurde 2008 bekannt. Darabos hatte ein Jahr zuvor im Zuge eines Sparpakets die Nachtsichtgeräte der Jets abbestellt.

Das Geld wird knapp

2009 meldeten Medien, dass die Kosten für den - durch die Eurofighter nötig gewordenen - Ausbau des Militärflughafens in Zeltweg deutlich höher ausfielen, als geplant. Zwei Jahre später wurde diesbezüglich ein Rechnungshofbericht veröffentlicht, wonach sich diese Kosten von 46 auf 161 Millionen Euro mehr als verdreifacht hatten. Die Negativmeldungen zogen sich fort: 2010 kam ans Licht, dass lediglich fünf der 15 Eurofighter einsatzbereit waren.

Seit April 2014 weiß man, dass für die 15 Kampfjets nur mehr zwölf Piloten zur Verfügung stehen - weil aus finanziellen Gründen Flugstunden eingespart werden mussten. Spargründe sind ebenso dafür verantwortlich, dass die Bundesheer-Jets seit September auch am Tag immer seltener in der Luft sind. Durchschnittlich stehen sie an elf statt wie bisher zwölf Stunden zur Verfügung. Offizielle Rechtfertigung ist eine "flexible, und deshalb unberechenbare Luftraumüberwachung".

"Nicht alles sauber gelaufen"

Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftsminister und nunmehriger ÖVP-Chef, sagte vor zwei Jahren den "Oberösterreichischen Nachrichten", er sei überzeugt, dass bei der Kaufentscheidung für den Eurofighter im Jahr 2002 "nicht alles sauber gelaufen ist". Und das, obwohl die Jets unter dem ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel beschafft wurden.

"Maßgebliche Personen" hätten damals ihre Meinung zugunsten der Eurofighter binnen einer Woche radikal geändert, erklärte Mitterlehner. Gemeint sind die die damaligen FPÖ-Minister Karl-Heinz Grasser (Finanzminister) und Herbert Scheibner (Verteidigungsminister). Zweiterer fand sich laut "Presse" Jahre später auf der Payroll der Eurofighter Jagdflugzeuge GmbH wieder.

Ein Untersuchungsausschuss über die Beschaffung der Eurofighter im Jahr 2006 deckte fragwürdige Netzwerke von Lobbyisten zu Beamten und Politikern auf. Laut Gerichtsakten sollen Eurofighter-Lobbyisten rund 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben, um die Kaufentscheidung zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
Nun könnte sich abermals eine Möglichkeit auftun, aus dem Eurofighter-Vertrag auszusteigen. Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, sieht angesichts der technischen Mängel zumindest eine Chance dafür.