Hamburg (dpa) - Die Hamburger FDP hat eine neue Vorsitzende: Mit Katja Suding an der Spitze will die Partei wieder den Einzug in die Bürgerschaft schaffen. Keine leichte Aufgabe angesichts jüngster Umfragen.

Bürgerschafts-Fraktionschefin Suding wurde mit deutlicher Mehrheit zur neuen Parteivorsitzenden gewählt. 84 der 119 Parteitagsdelegierten stimmten für sie, das entsprach einer Zustimmung von 70,6 Prozent. Suding war die einzige Kandidatin.

Die Wahl war wegen des Parteiaustritts der bisherigen Vorsitzenden Sylvia Canel notwendig geworden, die Anfang September die FDP verlassen hatte und inzwischen eine neue Partei - die Neuen Liberalen - mit gegründet hat.

Erschrocken zeigte sich die neue Parteichefin über ein aktuelles Umfrageergebnis: Demnach liegt die Hamburger FDP in der Wählergunst derzeit bei nur 2 Prozent. "Ich muss gestehen, als ich das "Hamburger Abendblatt" aufschlug, da stockte auch mir ein wenig der Atem", räumte sie ein. Das Ergebnis müsse Ansporn für einen "fulminanten Wahlkampf" sein. In Hamburg wird am 15. Februar eine neue Bürgerschaft gewählt, dort regiert die SPD derzeit allein.

Bei der Hamburger FDP soll die Fraktionsvorsitzende Katja Suding nun auch Parteichefin werden.

Als Stellvertreter Sudings wählten die FDP-Delegierten Magnus Graf Lambsdorff. Der 52-jährige Unternehmensberater erhielt 104 von 117 Stimmen. Mit knapp 89 Prozent kam Graf Lambsdorff somit auf ein besseres Ergebnis als Suding.

Der neue Vize ist ein Neffe des früheren Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff (1926-2009) und ein Vetter von Alexander Graf Lambsdorff (48), der für die FDP im Europaparlament sitzt. Weil auch der Stellvertreter Dieter Lohberger im Oktober aus der Partei ausgetreten war, musste ein weiterer Führungsposten neu besetzt werden. Gegen einen Mitbewerber setzte sich der Wirtschaftsingenieur Claas Voigt durch.

Bei der Wahl 2011 hatte die FDP mit Suding als Spitzenkandidatin 6,7 Prozent geholt und war nach sieben außerparlamentarischen Jahren in die Bürgerschaft zurückgekehrt. Mit Akzenten in der Flüchtlings- und Sozialpolitik wollen sich die Hamburger Liberalen von ihren neuen Konkurrenten AfD im bevorstehenden Wahlkampf abgrenzen.

"Wir wissen auch, wie wichtig das soziale Gefüge ist", betonte Suding. Sie forderte gezielte Hilfen für Menschen in Not, warf dem SPD-Senat Versagen bei der Unterbringung von Flüchtlingen vor und wandte sich bei diesem Thema gegen "dumpfe Angstmache".© dpa