Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) geht auf Distanz zur Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Den unbegrenzten Zuzug von Flüchtlingen bezeichnete er als Fehler. Nicht sein einziger Vorwurf gegen die Kanzlerin.

Protest gegen Merkel: Landrat bringt 31 Flüchtlinge von Bayern nach Berlin.

"Die Kapazitäten bei der Aufnahme, Versorgung und Integration von Flüchtlingen in Deutschland sind begrenzt. Alles andere ist eine Illusion", sagte der SPD-Politiker dem "Handelsblatt" (Freitag).

Den unbegrenzten Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland bezeichnete er als Fehler. "Man muss den Eindruck gewinnen, als hätten nationale Grenzen keine Bedeutung mehr. Das ist gefährlich und das ist auch nicht richtig."

Die Kanzlerin habe in diesem Moment zwar "viel Herz" bewiesen, aber auch, dass sie "keinen Plan" hatte.

Gerhard Schröder: "Realität wurde ignoriert"

Flüchtlingseltern drücken Dankbarkeit auf besondere Weise aus.

Der Altkanzler wertete es als zentrales Versäumnis der CDU, dass sie ein Einwanderungsgesetz stets abgelehnt habe. "Da wurde schlicht die Realität ignoriert. Mit der Folge, dass jetzt Hunderttausende Flüchtlinge rechtlich in ein Asylverfahren gepresst werden, weil man keine Kontingente über ein Einwanderungsgesetz definiert hat", sagte Schröder.

Er könne nicht nachvollziehen, dass Merkel trotz der erkennbaren Probleme durch die Vielzahl der Flüchtlinge erst in der nächsten Legislaturperiode ein Einwanderungsgesetz verhandeln wolle.© dpa