Unbekannte haben einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen verübt. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anschläge dramatisch angestiegen.

Die Gewalt gegen Asylsuchende hat eine neue Dimension erreicht: Unbekannte verübten einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen.

Nach dpa-Informationen wurde die scharfe Handgranate in der Nacht zum Freitag über einen Zaun auf das Gelände der Erstaufnahmestelle im Schwarzwald-Baar-Kreis geworfen.

Der Sicherheitssplint war gezogen, die mit Sprengstoff gefüllte Granate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Sicherheitsmann bemerkte die Granate

Ein Sicherheitsmann bemerkte die Granate gegen 1.15 Uhr auf dem Boden und alarmierte die Behörden. Die Granate wurde von Entschärfern des Landeskriminalamtes kontrolliert gesprengt, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Ob ein Zünder vorhanden war, ist bisher nicht bekannt. 20 Bewohner des Einrichtung mussten kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen. Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil hat eine Sonderkommission "Container" eingerichtet.

Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.

Behörde für Verfahren mit kleinkriminellen Flüchtlingen in Kritik.

Innenminister Reinhold Gall (SPD) forderte die Mitarbeiter in seinem Zuständigkeitsbereich auf, sich von der grassierenden "Hysterie" in der Flüchtlingskrise nicht anstecken zu lassen.

In einem internen Schreiben hieß es: "Wir werden die Lage bewerten wie sie ist und nicht wie sie scheint, wir werden dem Rechtsstaat weiter konsequent Geltung verschaffen, wir werden Vernunft walten lassen, wo andere Aktionismus an den Tag legen."

Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte dramatisch gestiegen

Die Zahl der Anschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte ist im Jahr 2015 dramatisch gestiegen. Mit 173 Gewalttaten wurden mehr als sechsmal so viele Übergriffe verzeichnet wie im Vorjahr, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag mitteilte.

2014 waren es noch 28 Gewalttaten gewesen. Besonders extrem ist die Zunahme bei den Brandstiftungen, wo die Zahl im Jahresvergleich von 6 auf 92 stieg. Seit dem 1. Januar 2016 hat das BKA weitere zehn Gewalttaten gegen Asylunterkünfte erfasst.

CDU/CSU und SPD legen Streit bei und verständigen sich auf Kompromiss.

Die Gesamtzahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte stieg um mehr als das Fünffache von 199 auf 1.005. Davon wurden 901 Taten als politisch motivierte Kriminalität (PMK) dem rechten Spektrum zugeschrieben.

Im gesamten Jahr 2014 waren es noch 199 Straftaten gewesen, von denen 177 als PMK-rechts gewertet wurden. (cai/dpa)

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