Das Berliner Bündnis "Moabit hilft" hat sich in einer ersten Reaktion nach dem erfundenen Tod eines Flüchtlings "fassungslos" gezeigt. In einer Pressekonferenz am Vormittag zeigten sich zwei Helfer wütend.

Den Helfer, der den Fall des verstorbenen Flüchtlings erfunden und via Facebook verbreitet hat, habe das Berliner Bündnis in den vergangenen Monaten "als verlässlichen und integren Unterstützer an unserer Seite kennengelernt."

Er habe sich "auf unterschiedlichste Weise für viele geflüchtete Menschen engagiert hat", heißt es in einer vom Bündnis "Moabit hilft" in der Nacht zu Donnerstag auf Facebook verbreiteten Mitteilung.

"Wir kennen seine Motivation (...) nicht, und wollen dies auch nicht kommentieren." Er habe sein Facebook-Profil gelöscht und "war bislang für uns nicht zu sprechen".

Auf der Pressekonferenz hieß es später, dass das Facebook-Profil des freiwilligen Helfers Dirk V. kurzfristig wieder aktiviert worden sei und er sich in einem Post für seine Aktion entschuldigt habe.

Vertrauen in Helfer überdenken

Darin habe er erklärt, dass er den ursprünglichen Post in "leicht betrunkenem Zustand" verfasst habe. Zudem sei er überlastet gewesen. Das sagten die Mitglieder von "Moabit hilft", Diana Henniges und Christiane Beckmann.

Zu diesem Facebook-Statement von Dirk V. erklärte Henniges: "Wenn es sein Gewissen beruhigt. Unseres beruhigt es nicht."

Zudem betonten sie, dass Dirk V. kein Mitglied des Vereins "Moabit hilft" sei. "Wir fühlen uns verraten", betonte Diana Henniges.

In Zukunft müsse der Verein sein Vertrauten gegenüber den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern "überdenken". Was das genau heiße, erläuterten sie nicht.

Der ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Nils V. hatte am Mittwoch behauptet, dass ein 24-jähriger Syrer gestorben sei. Der Mann habe zuvor tagelang vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Hauptstadt angestanden.

Henniges und Beckmann entschuldigten sich im Namen von "Moabit hilft" dafür, dass sie den Post von Dirk V. weiterverbreitet hätten: "Das war ein Fehler. Auf deutsch gesagt, haben wir Mist gebaut".

Zugleich betonten sie aber, dass auch zahlreiche Medien die Nachricht sofort aufgegriffen hätten. Das zeige, dass sich viele vorstellen könnten, "dass sowas passiert".

Der ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Dirk V. hatte am Mittwoch behauptet, dass ein 24-jähriger Syrer gestorben sei. Der Mann habe zuvor tagelang vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Hauptstadt angestanden.

N24 berichtet, dass er der Polizei ein Motiv genannt habe. Die Polizei verlange aber, dass er dieses selbst erkläre. (cai/dpa)

Die Nachricht schlug große Wellen: Ein Flüchtling soll in Berlin gestorben sein, nachdem er tagelang vor dem umstrittenen Landesamt Lageso warten musste. Doch ein Helfer hat den Fall wohl erfunden.

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