Clausnitz wurde zum Symbol für Fremdenhass. Wie man gegen Flüchtlinge sein und trotzdem mit ihnen Geld verdienen kann, zeigen drei Brüder in der sächsischen Gemeinde.

Für einige Bewohner von Clausnitz sind die Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung und Armut nach Deutschland kommen, offensichtlich ein Ärgernis.

Am vergangenen Donnerstag brüllte in der sächsischen Gemeinde ein Mob die Neuankömmlinge nieder und blockierte mit Autos die Zufahrt zu einer Unterkunft am Ortsrand. In dem Bus saßen mehrheitlich verängstigte Frauen und Kinder.

Doch Flüchtlinge können auch ein gutes Geschäft sein. Und wenn man mit ihnen Geld verdienen kann, dann spielt manchmal auch die politische Einstellung keine allzu große Rolle mehr.

Zum Beispiel in der Familie Hetze. Da gibt es Thomas Hetze, er ist Mitglied der Alternative für Deutschland, wetterte auf einer Versammlung der Rechtspopulisten gegen den deutschen Staat. Gleichzeitig arbeitete er im Auftrag genau dieses Staats als Leiter des angefeindeten Flüchtlingsheims.

Am Montag wurde er von diesem Job zwar entbunden - doch er bekommt innerhalb der kommunalen Betreibergesellschaft GSQ eine andere Aufgabe.

"Hart aber fair": Flüchtlingskrise bringt das Land zum Wanken.

Auch die Familie ist involviert

Da ist Frank Hetze, der Bruder des abgesetzten Heimleiters. Frank Hetze ist Geschäftsführer des Clausnitzer Betriebs Metallbau Hetze.

Auf dem Firmengelände von Metallbau Hetze in Clausnitz stehen rund ein Dutzend blauer Metallcontainer, die seine Firma gerade umrüstet.

Das Areal liegt wenige Kilometer von dem Ort entfernt, in dem am Donnerstag die Flüchtlinge attackiert wurden.

Bestimmungsort einiger der großen Metallkisten, die in Hetzes Betrieb mit Türen und Innenausbauten versehen werden, ist eine Leipziger Adresse, vermerkt auf einem Dokument, das in einem der unfertigen Container an der Wand hängt.

An dieser Adresse entsteht derzeit eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) für Flüchtlinge. Die Menschen in der EAE werden in Leichtbauhallen wohnen, betrieben von der Landesdirektion Sachsen und vom sächsischen Roten Kreuz.

Warum es gerade in diesem Bundesland so viele rechte Straftaten gibt.

Die Container aus Hetzes Betrieb sind wohl für die Infrastruktur des Lagers - Sanitäranlagen, Heimleitung und ähnliches - bestimmt. "Verwaltungsfunktionen der Einrichtung können teilweise in Containern untergebracht sein", teilte die Landesdirektion Sachsen auf "Spiegel Online"-Anfrage zu den Bauarbeiten auf dem künftigen EAE-Gelände mit.

Ende März 2016 soll alles bezugsfertig sein. Die Leichtbauhallen stehen schon seit Januar am Leipziger Standort. Metallbau Hetze liefert mit den Containern offenbar die letzten Bausteine, damit dort schon bald bis zu 900 weitere Flüchtlinge wohnen können.

"Wir haben mit den Ereignissen in Clausnitz nichts zu tun"

Geschäftsführer Frank Hetze ist für "Spiegel Online" auch auf mehrmalige Anfrage weder am Montag noch am Dienstag zu sprechen. Am Dienstagnachmittag betont ein Mitarbeiter zunächst am Telefon, die Firma habe nichts mit den Vorfällen vor der Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz zu tun.

Später schickt das Unternehmen noch eine Mail, in der es heißt: "Wir sind politisch nicht aktiv, verabscheuen jede Art von Gewalt und haben mit den Ereignissen zum Thema Asyl in Clausnitz nichts zu tun."

Dass auch Frank Hetze der AfD politisch nicht völlig abgeneigt ist, darauf weist seine Facebook-Seite hin. Unter den wenigen Favoriten, die Hetze mit "Gefällt mir" markiert hat, ist auch die Seite der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry.

Und dann gibt es da noch Karsten, der dritte der Gebrüder Hetze. Er ist bei der Metallbaufirma seines Bruder angestellt. Karsten Hetze hatte Reportern des MDR bereits am Wochenende erzählt, die Kundgebung gegen das Flüchtlingsheim in Clausnitz organisiert zu haben.

Eigentlich sei eine "ruhige Demonstration" geplant gewesen, sagte Hetze dem Sender. Dass die Situation eskaliert sei, habe man nicht gewollt - aber nicht verhindern können.© SPIEGEL ONLINE