In Deutschland und der Türkei haben Hunderte Polizisten eine Razzia gegen Schleuser durchgeführt, die Flüchtlinge in schrottreifen Schiffen über das Mittelmeer schicken. Auch die neue Eliteeinheit BFE+ war an dem Einsatz beteiligt.

Deutsche und türkische Ermittler haben bei einem gemeinsamen Großeinsatz einen Schleuserring zerschlagen, der mehr als 1700 Migranten in schrottreifen Schiffen über das Mittelmeer geschmuggelt haben soll.

In Deutschland seien fünf, in der Türkei zehn Personen festgenommen worden, teilten der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, und der Leiter der türkischen Generaldirektion, Mehmet Lekesiz, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Potsdam mit.

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Festgenommene sind Syrer

Fast 500 Beamte der Bundespolizei durchsuchten demnach 16 Wohnungen und einen Geschäftsraum in sechs Bundesländern. Die Eliteeinheiten GSG 9 und laut dpa auch die BFE+ waren ebenfalls an dem Einsatz beteiligt. Schwerpunkte der Aktion seien etwa Berlin und Hannover gewesen. Bei den Festgenommenen soll es sich fast ausnahmslos um Syrer handeln.

Hintergrund der Aktion sind einjährige Fahndungen nach den Organisatoren sogenannter Geisterschiff-Aktionen. Schleuserbanden schicken dabei Flüchtlinge auf schrottreifen Schiffen ohne Besatzung über das Mittelmeer Richtung Italien oder Griechenland.

Tod in Kauf genommen

Den Angaben zufolge mussten die Flüchtlinge Tausende Dollar für die Fahrt bezahlen. Bundespolizei-Chef Romann sprach von skrupellosen Schleppern, die bewusst den Tod der Menschen in Kauf nähmen. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Dresden sagte, möglich sei eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren. Mit den Geisterschiffen sollen vor allem Syrer in die EU gebracht worden sein. 250 von ihnen wurden den Ermittlern zufolge in Deutschland befragt.

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Die türkische Polizei war parallel zur Bundespolizei unter anderem in Istanbul, Izmir und der Hafenstadt Mersin im Einsatz. Dort soll auch einer der Drahtzieher festgenommen worden sein.

Der türkische Ermittler Lekesiz sagte, auch die Extremistenmiliz IS und die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK seien in die Schleuseraktivitäten verstrickt. Er setze auf eine weiter enge deutsch-türkische Zusammenarbeit. Die Türkei habe in den vergangenen Jahren bereits 1150 Personen im Zusammenhang mit Schlepperbanden festgenommen. Man habe 17 Geisterschiffe aufgegriffen.© SPIEGEL ONLINE