Die Zahl der Flüchtlinge auf dem Balkan hat wegen des Winters zwar etwas abgenommen. Doch Tausende sind trotz der Strapazen immer noch unterwegs Richtung Westeuropa. Der Papst fordert kreative Lösungen.

Stürmische Winde und aufgewühlte See in der Ägais, Schnee und Eis auf dem Balkan: Trotz des Winterwetters sind weiter Tausende Flüchtlinge und Migranten Richtung Westeuropa unterwegs. Erneut kenterten Schlauchboote und morsche Kähne vor den griechischen Inseln.

Die Küstenwache rettete Hunderten Menschen das Leben. Mit Fähren kamen binnen weniger Stunden mehr als 1.600 Flüchtlinge am Freitag in der griechischen Hafenstadt Piräus an.

Sie waren zuvor von der Türkei auf die griechischen Inseln gelangt. Befragt von Reportern sagten die meisten Migranten, sie wollten nach West- und Nordeuropa weiterreisen.

Europa hat die Mittel und die moralische Pflicht

Papst Franziskus nahm die europäischen Staaten in die Pflicht und forderte nachhaltige und kreative Lösungen.

Bei seiner traditionellen Ansprache vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatische Corps betonte er am Montag, Europa habe die Mittel und die moralische Pflicht, "einerseits die Rechte der eigenen Bürger zu schützen und andererseits die Betreuung und die Aufnahme der Migranten zu garantieren".

Beamte der griechischen Küstenwache und der Europäischen Grenzagentur Frontex retteten nach Behördenangaben binnen 24 Stunden mehr als 500 Menschen aus den Fluten vor den Inseln Megisti, Kos, Samos, Leros, Chios und Lesbos.

Nach Angaben des UN-Hilfswerks UNHCR kamen seit Jahresbeginn in der Ägäis 39 Menschen ums Leben oder werden vermisst.

Über Slowenien seien in den ersten zehn Tagen des neuen Jahres 25.000 Migranten nach Westeuropa gereist, meldete die Nachrichtenagentur STA in Ljubljana. Damit seien seit Mitte Oktober, als die Transitroute wegen geschlossener Grenzen in Ungarn erstmals über das Euro- und Nato-Land Slowenien verlief, 404.000 Menschen gezählt worden.

Deutsche Künstler entkräften in ihren Bildern Vorurteile gegen Flüchtlinge.

Frage nach Aufnahmekapazität der Zielländer

Der Papst räumte ein, Angst und Unsicherheit seien angesichts der großen Zahl der Flüchtlinge verständlich.

Es stellten sich Fragen nach der Aufnahmekapazität der Zielländer, der Veränderung des kulturellen und sozialen Gefüges und "der Befürchtungen um die Sicherheit, die durch die überhandnehmende Bedrohung durch den internationalen Terrorismus über alle Maßen verschärft werden".

Dennoch sei er überzeugt, dass Europa fähig sei, das Gleichgewicht zwischen der Aufnahme der Menschen und dem Schutz der eigenen Bürger zu finden, betonte Franziskus.

Gemeinsame Lösungen in Flüchtlingsfrage finden

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief bei einem Besuch in Prag zu gemeinsamen Lösungen in der Flüchtlingskrise auf. "Wenn wir vereint sind, sind wir in unserer Arbeit stärker", sagte die 42-Jährige nach einem Treffen mit dem tschechischen Außenminister Lubomir Zaoralek.

Tschechien hatte im September gegen EU-weite Flüchtlingsquoten gestimmt, will die Mehrheitsentscheidung aber anders als Ungarn und die Slowakei akzeptieren. Mogherini lobte die Haltung der Prager Mitte-Links-Regierung als "extrem konstruktiv!, räumte aber zugleich anhaltende Differenzen ein.© dpa