Die Flüchtlingskrise hat Europa fest im Griff. Mehrere Länder verschärfen ihre Asylgesetze, einige schotten sich mit Stacheldraht ab. Nun will auch Schweden nachziehen - und massenhaft Flüchtlinge zurückschicken. So schotten sich europäische Länder ab.

Flüchtlingskrise sorgt für Chaos bei Autobahnkontrollen.

Die BALKANSTAATEN verstehen sich als Transitländer, die keine größere Zahl von Flüchtlingen über längere Zeit aufnehmen können. Der erste Zaun auf der Balkanroute steht bei der mazedonischen Stadt Gevgeljija an der Grenze zu Griechenland.

Am Mittwoch hatte Mazedonien seinen wichtigsten Grenzübergang zu Griechenland für Flüchtlinge und Migranten vorübergehend geschlossen.

Es gebe weiter nördlich nahe der mazedonisch-serbischen Grenze einen "Stau", hatten die mazedonischen Behörden der griechischen Polizei als Grund genannt.

Auf der griechischen Seite des Eisenbahnübergangs von Idomeni befanden sich nach Augenzeugenberichten rund 1.000 Menschen. Diese verbrachten die Nacht in Zelten und provisorischen Unterkünften. Die Grenze wurde mittlerweile wieder geöffnet.

UNGARN

Ungarn hat an den für die Fluchtbewegungen relevanten Grenzen zu Serbien und Kroatien Zäune mit Nato-Stacheldraht errichtet. Die rechts-nationale Führung des Landes will einen solchen Zaun auch an der Grenze zu Rumänien errichten, falls die Flüchtlinge irgendwann einmal über Rumänien kommen sollten.

Die Obergrenze liegt für Ministerpräsident Viktor Orban bei Null. Im Rahmen der EU-Quote will Ungarn keinen einzigen Flüchtling aufnehmen.

BULGARIEN

Das Land wehrt illegale Migration an der Grenze zur Türkei – eine EU-Außengrenze - mit einem Zaun an den kritischsten Abschnitten ab. Die im Juli 2014 fertiggestellte, 30 Kilometer lange und drei Meter hohe Barriere mit Stacheldraht wird derzeit ausgebaut.

Zur Jahresmitte soll er 161 Kilometer lang werden und fast zwei Drittel der 271 Kilometer langen bulgarisch-türkischen Grenze schützen. Migranten sollen durch die Grenzübergänge einreisen, wo sie registriert werden.

RUMÄNIEN

Rumänien ist bislang vom Flüchtlingszustrom kaum betroffen, aus geografischen Gründen: Der Weg nach Westeuropa ist kürzer über Serbien und Kroatien, ein Schlenker über Rumänien wäre ein Umweg.

Dennoch hat Bukarest die Überwachung der grünen Grenze zu Serbien seit dem Bau der ungarischen Grenzzäune im letzten Herbst verstärkt. Zwischen Ungarn und Rumänien gibt es noch keinen Zaun, Budapest hat aber jetzt erneut gedroht, einen zu bauen.

Das Berliner Bündnis "Moabit hilft" hat sich in einer ersten Reaktion nach dem erfundenen Tod eines Flüchtlings "fassungslos" gezeigt. In einer Pressekonferenz am Vormittag zeigten sich zwei Helfer ziemlich wütend.

ÖSTERREICH

Deutschlands Nachbar macht mit der Verschärfung des Asylrechts Ernst. Knapp drei Monate nach dem politischen Grundsatzbeschluss hat die rot-schwarze Bundesregierung am Dienstag das neue "Asyl auf Zeit" auf den Weg gebracht.

Angesichts des Flüchtlingsandrangs werde künftig generell nur noch für eine Frist von drei Jahren Schutz gewährt, teilte die Regierung mit. Danach werde geprüft, ob die Schutzgründe weiterbestehen.

Kanzler Werner Faymann (SPÖ) sprach von einem Signal, das helfen solle, die zuletzt festgelegte Zahl von 37.500 Asylanträgen für 2016 nicht zu überschreiten.

Der Nationalrat werde voraussichtlich im April das Gesetz verabschieden. Es solle rückwirkend gelten. Die Alpenrepublik nähert damit ihre Asylbestimmungen an deutsches Recht an.

Bislang wurde Asylberechtigten in Österreich grundsätzlich ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht gewährt. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) meinte, Österreich habe nun eines der schärfsten Asylgesetze in Europa.

Die Verschärfungen beim Familiennachzug, speziell für subsidiär Schutzberechtigte (kein Schutzstatus im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention), würden vor allem die Migranten aus Afghanistan treffen, die derzeit größte Flüchtlingsgruppe.

TSCHECHIEN

Die Polizei zeigt wieder verstärkt Präsenz an der Grenze zu Österreich. Die Regierung beobachtet die Entscheidungen in den Nachbarländern Österreich und Deutschland sehr aufmerksam, weil sie eine Ausweichbewegung befürchtet.

Bisher führt der Flüchtlingsstrom an Tschechien vorbei. Sogenannte illegal Eingereiste werden zunächst in Einrichtungen untergebracht, die sie nicht verlassen können. Dort müssen sie für Aufenthalt und Verpflegung zahlen.

GRIECHENLAND

Athen hat Ende 2012 an der Landgrenze zur Türkei einen gut zehn Kilometer langen, drei Meter hohen doppelten Zaun mit Stacheldraht fertiggestellt. Der Rest der knapp 200 Kilometer langen Landesgrenze verläuft entlang des Flusses Evros.

Grenzschützer überwachen diesen Abschnitt. Restriktionen wie die Beschlagnahmung von Geld und Wertgegenständen gibt es nicht.

DÄNEMARK

Das dänische Parlament billigte am Dienstag die Verschärfungen des Asylrechts. Die Polizei kann dadurch unter anderem künftig Asylbewerbern Wertgegenstände und Bargeld im Wert von mehr als 10.000 Kronen (umgerechnet rund 1.340 Euro) abnehmen.

So sollen sie ihren Aufenthalt in Dänemark mitfinanzieren. Flüchtlinge mit einem vorübergehenden Schutzanspruch sollen drei Jahre auf die Familienzusammenführung warten müssen. Zudem wird es es schwieriger, eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.

Auch "Flüchtlingsdörfer", in denen Asylbewerber gesammelt untergebracht werden sollen, stehen zur Diskussion. Mit Anzeigen in libanesischen Zeitungen rieten die Dänen Flüchtlingen von der Reise ab.

GROSSBRITANNIEN

Das Land gehört nicht zum Schengen-Raum und kontrolliert bei der Einreise Personalausweis, Reisepass oder Visum. Die meisten illegal einreisenden Flüchtlinge kommen durch den Eurotunnel

Diesen Grenzübergang lassen die Briten in Frankreich bewachen, was etwa die Bürgermeisterin der nordfranzösischen Stadt Calais kritisiert. Großbritannien hat erst kürzlich die Zäune dort ausgebaut und mehr Grenzschützer entsandt.

Das Land will 20.000 Syrer bis zum Jahr 2020 aufnehmen; bislang hat London 1.000 Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland akzeptiert. Allerdings war Premierminister David Cameron zuletzt nicht nur vonseiten der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen unter Druck geraten, mehr zu tun.

Bayern fordert zusätzliche Finanzmittel von der Bundesregierung.

SCHWEDEN

Schweden bereitet nach Angaben der Zeitung "Dagens Industri" die Massenausweisung von Zehntausenden Asylbewerbern vor. Bis zu 80.000 Personen könnten dem schwedischen Innenminister Anders Ygeman zufolge ausgewiesen werden.

Die Regierung habe Polizei und Migrationsbehörde den Auftrag erteilt, die Ausweisungen vorzubereiten. Bis zum Jahresende 2015 hatten mehr als 160.000 Menschen Asyl in Schweden gesucht. Nach Schätzungen der Regierung würden rund 45 Prozent von ihnen abgelehnt.

FRANKREICH

In Calais leben Tausende Flüchtlinge, die auf eine Chance hoffen, nach Großbritannien zu kommen. Im Sommer 2015 hat Paris zudem die Grenze nach Italien am Mittelmeer bei Ventimiglia zeitweise für Flüchtlinge dichtgemacht.

Grund waren Flüchtlinge, die entgegen bestehender Abkommen aus Italien nach Frankreich weiterreisen wollten.

SPANIEN

In Spanien ist die Staatsgrenze nur in den Exklaven Ceuta und Melilla an der Küste Nordafrikas durch Zäune und Stacheldraht gesichert. Die Grenzanlagen wurden in den vergangenen Jahren ausgebaut und die Zäune auf bis zu sechs Meter erhöht.

Die Flüchtlinge, die von Afrika nach Spanien gelangen wollen, sind in der Regel keine politisch Verfolgten, die Asylanträge stellen wollen, sondern Menschen, die vor dem Elend in ihrer Heimat flüchten.

NIEDERLANDE

Zäune, Mauern oder Stacheldraht gibt es an den Grenzen nicht. Asylsuchende müssen persönliche Wertgegenstände auch nicht abgeben. Die Regierung will jedoch versuchen, den Zustrom mit strengeren Regeln abzuschwächen.

Schon nach Ankunft wird streng selektiert. Wer kaum Chancen auf einen Flüchtlingsstatus hat, soll schnell abgeschoben werden. Die übrigen müssen nun bis zu einem Jahr warten, bis über ihren Antrag entschieden wird. (far/dpa)