Österreichs Regierung kassiert viel Schelte, seit sie in der Flüchtlingskrise einen restriktiveren Ton anschlägt. Außenminister Sebastian Kurz sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt.

Sebastian Kurz (ÖVP) hat Österreichs Kurs in der Flüchtlingskrise verteidigt. "Das Durchwinken der Flüchtlinge ist der falsche Weg", sagte der Außenminister in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Österreichs Politik und Bevölkerung reagiere deswegen so emotional auf die Kritik, "weil wir ein solidarisches Land sind, das in der Flüchtlingskrise einen überproportional großen Beitrag geleistet hat", sagte Kurz.

EU fordert gewaltiges Hilfspaket zur Bewältigung der Krise.

Österreich habe im vergangenen Jahr in Relation zur Bevölkerungszahl nach Schweden die zweitmeisten Flüchtlinge aufgenommen. "Wir Österreicher haben ohne internationale Hilfe 100.000 Leute untergebracht." Daher gebe es in der Bevölkerung "ein starkes Bewusstsein dafür, dass die Kritik die Falschen trifft."

In ganz Griechenland seien derzeit 25.000 Flüchtlinge, obwohl die Bilder anderes suggerierten, sagte Kurz. Griechenland sei bisher in der komfortablen Lage gewesen, dass kaum jemand länger als 24 Stunden geblieben sei.

Allein 2016 bisher 100.000 Menschen

Die Realität habe Österreich dazu gezwungen, nationale Maßnahmen durchzusetzen. Er sei von Anfang an davon überzeugt gewesen, dass der offene Kurs zu einer Überforderung führen werde. "Und leider habe ich recht behalten." Allein 2016 seien bisher 100.000 Menschen über Griechenland gekommen."

Es gebe nur zwei Wege: "Wir lassen die Menschen durch oder wir stoppen sie." In Bezug auf eine gemeinsame Lösung mit der Türkei sagte er: "Menschen werden mit Polizeigewalt aufgehalten werden müssen, das wird nur weiter entfernt von uns passieren, wo vielleicht nicht so viele TV-Kameras präsent sind."

Moralisch betrachtet sei es nicht besser, Migranten in der Türkei aufzuhalten statt in Griechenland oder Mazedonien. Es könne aber nicht sein, "dass die, die es bis nach Griechenland schaffen, automatisch weiterreisen dürfen", sagte Kurz.

Wichtig sei, zur Normalität zurückzukehren. Für den Außenminister heißt das: "Dass sich niemand aussuchen kann, wo er einen Asylantrag stellt."

Lage in Mazedonien "absurd"

Die aktuelle Situation an der Grenze zu Mazedonien bezeichnete Kurz als "absurd": Dort demonstrierten Schutzbedürftige und Migranten und versuchten, mit Gewalt von einem EU-Land in ein Nicht-EU-Land zu kommen.

"Wir müssen doch ehrlich aussprechen, dass es hier nicht um die Suche nach Schutz geht, sondern um die Suche nach einer besseren ökonomischen Zukunft", sagte Kurz. "Das ist menschlich verständlich, aber wir können das nicht bieten."

Angela Merkels (CDU) Kritik, dass der Alleingang Österreichs EU-Türkei-Gipfel im April gefährde, lässt Kurz nicht gelten. "Der EU-Türkei-Gipfel ist nicht dadurch gefährdet, dass Wien gesagt hat, wir können nicht mehr so viele Menschen aufnehmen. Das sind zwei getrennte Themen", betonte der Außenminister. (ank)

Tausende Menschen drängen sich an der Grenze von Griechenland nach Mazedonien. Sie warten darauf, dass es endlich weitergeht. Umkehren will aber keiner der Flüchtlinge.