Der Zustrom an Flüchtlingen nach Europa nimmt nicht ab. Mehrere Balkanstaaten haben deshalb ihre Grenzen dicht gemacht. Vizekanzler Sigmar Gabriel kritisiert diese Alleingänge. Manche in Deutschland würden sich darüber freuen, dass diese Länder "quasi die Drecksarbeit" für Deutschland machten.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat nationale Alleingänge der Balkanstaaten bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise kritisiert.

"Manche in Deutschland freuen sich klammheimlich, dass die Balkanstaaten den Zustrom mit Grenzschließungen drosseln und für Deutschland quasi die Drecksarbeit machen", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung vom Montag.

Griechenland verhandelt mit Türkei wohl über ein Schnellverfahren.

Er halte eine solche Sichtweise für "zynisch". Gabriel weiter: "Auf Dauer hilft das nicht. Die Flüchtlinge suchen sich andere Wege. Am Ende wird dann das Mittelmeer wieder zum Massengrab."

Zugleich könne die Bundesregierung die feststeckenden Flüchtlinge nicht wie im vergangenen Sommer einfach ins Land holen. "Deutschland kann diese Geste nicht wiederholen, weil sich herausgestellt hat, dass wir in Europa damit weitgehend allein geblieben sind", erklärte Gabriel.

Gabriel: nicht jedes Jahr eine Million Menschen aufnehmen

Deutschland könne nicht jedes Jahr eine Million Flüchtlinge aufnehmen. Im Bestreben, die Flüchtlingszahlen deutlich zu senken, werde er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim EU-Gipfel mit der Türkei am Montag in Brüssel unterstützen.

Kroatiens Außenminister Miro Kovac verteidigte die auch durch kroatische Sicherheitskräfte unterstützte Grenzschließung zwischen Mazedonien und Griechenland.

"Die Koordination Kroatiens mit Österreich, Slowenien, Serbien und Mazedonien funktioniert gut und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Flüchtlings- und Migrantenzahlen. Darauf dürfen wir in Kroatien ruhig stolz sein", sagte er der Münchner Tageszeitung "tz" (Montag). "Das hilft der Europäischen Union und insbesondere Deutschland."© dpa