Die Lage an der griechisch-mazedonischen Grenze verschlimmert sich von Stunde zu Stunde. Vor dem EU-Türkei-Gipfel am Montag in Brüssel zeigt sich die drohende humanitäre Katastrophe in vielen Facetten.

Wegen des anhaltenden Flüchtlingszustroms und schlimmer Lebensbedingungen in Aufnahmelagern will der Gouverneur der griechischen Region Zentralmazedonien den Notstand ausrufen.

"Hier (am Grenzübergang Idomeni) haben wir 13.000 Menschen und weiter südlich weitere 5.000 Migranten in Flüchtlingslagern", sagte Apostolos Tzitzikostas am Samstagmorgen in Idomeni dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Idomeni liegt an der Grenze zu Mazedonien. Der nördliche Nachbar Griechenlands hat die gemeinsame Grenze abgeriegelt und lässt täglich nur eine begrenzte Zahl an Migranten passieren.

Krieg, Hunger und Elend treiben Menschen aus aller Welt nach Europa. Die deutsche Gesellschaft hat sich noch nicht entschieden, wie sie damit umgehen soll. Die Reaktion der Öffentlichkeit reicht von Vorbehalten bis hin zu Rassismus, offenbart aber auch eine herzliche Willkommenskultur. In jedem Fall zwingt der Asylzuzug Deutschland zur Reflexion und zur Debatte. So werden Probleme offensichtlich, die schon lange existieren, nun aber gelöst werden müssen. Ein Überblick.

Tausende stecken fest

Die griechische Regierung schätzt die Zahl der im Land stecken gebliebenen Migranten auf rund 32.000. Täglich kämen etwa 1.900 Menschen aus der Türkei hinzu, hieß es vom zuständigen Krisenstab in Athen.

Das ganze Elend der gestrandeten Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze zeigt sich immer deutlicher. Nach kräftigen Regenfällen am Vortag verwandelte sich der Boden im provisorischen Flüchtlingslager bei Idomeni am Samstag in Schlamm.

Zudem herrschten am Morgen Temperaturen um die vier Grad Celsius. Die Menschen seien geschwächt, sagten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen Reportern vor Ort. Hunderte Menschen litten unter Erkältungen und Atembeschwerden. Zudem sei die hygienische Situation schlimm.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat in dieser Woche bereits vor einer drohenden humanitären Katastrophe in Griechenland gewarnt.

Vertreter von Hilfsorganisationen informierten die Migranten, dass sie in besser organisierten Aufnahmelagern südlich der Grenze - wie etwa dem 15 Kilometer entfernten Nea Kavala - untergebracht werden könnten. Die meisten Menschen weigerten sich umzuziehen. Sie erwarteten, dass die mazedonische Seite - wenn auch nur für kurze Zeit - den Grenzzaun öffnen könnte, berichteten Reporter vor Ort.

Ein Ende des Flüchtlingszustroms ist nicht in Sicht. Am Samstagmorgen kamen in der Hafenstadt Piräus 975 Migranten von den Ägäis-Inseln Lesbos und Chios an. 54 weitere Migranten wurden am Nachmittag von der Insel Kos erwartet, teilte die Küstenwache weiter mit.

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Tsipras will europäische Küstenwache

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras und die Vorsitzenden der wichtigsten griechischen Parteien hatten sich am Freitagabend auf jene Positionen geeinigt, die Tsipras beim EU-Türkei-Gipfel am Montag in Brüssel vertreten soll.

Demnach will der griechische Ministerpräsident die Bildung einer europäischen Küstenwache fordern, deren Sitz in Griechenland sein soll.

Zudem werde Tsipras die Einhaltung der bislang getroffenen Entscheidungen fordern, wie beispielsweise die Rückführung von Migranten ohne Asylanspruch in deren Herkunftsländer.

Tsipras will weiterhin darauf bestehen, dass Flüchtlinge auf alle EU-Staaten verteilt werden. EU-Mitgliedsstaaten, die Beschlüsse nicht einhielten, sollen Strafen erhalten.© dpa