42.000 Flüchtlinge stecken in Griechenland fest, 13.000 von ihnen in einem Lager unmittelbar an der geschlossenen Grenze zu Mazedonien. Sie hoffen immer noch auf ein Durchkommen.

Rund 13.000 Flüchtlinge sitzen im Übergangslager in Idomeni fest, nachdem die Staaten nördlich von Griechenland die sogenannte Balkanroute in die Mitte Europas gesperrt haben. Die Menschen harren dort unter widrigsten Umständen aus. Wie lange noch? Dazu einige Fragen und Antworten:

Wie muss man sich die Zustände in Idomeni vorstellen?

Das Lager war ursprünglich für 2000 Menschen angelegt - für sie gibt es Plätze in wetterfesten Großzelten. Schon in den letzten Wochen vor der Grenzsperre hat Mazedonien den Durchlass von Asylsuchenden stark gedrosselt. So entstand in Idomeni ein Rückstau an Menschen. Helfer verteilten an sie kleine Kuppelzelte, mit denen sie sich auf den Wiesen und Feldern rund um das eigentliche Lager niederließen.

Welchen Wetterverhältnissen sind die Menschen ausgesetzt?

Schließung der Balkanroute wirkt sich auch auf Deutschland aus.

Seit zwei Tagen regnet es beinahe unablässig. Die Wiesen und Felder haben sich in Schlammwüsten verwandelt. In den Nächten wird es noch richtig kalt. Vor allem die Kinder frieren und werden wegen Kälte und Durchnässung häufig krank. Ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagte am Donnerstag: "Das ist kein Ort, an dem Menschen leben können."

Warum harren die Asylsuchenden trotzdem aus?

Viele hoffen immer noch darauf, dass sich das Grenztor nach Mazedonien wieder öffnet, und diesen Moment wollen sie nicht verpassen. Andere merken vielleicht schon, wohin sich die Lage entwickelt hat, wollen aber die Veränderung nicht wahrhaben.

Woher kommen eigentlich die Menschen, die in Idomeni anzutreffen sind?

Die meisten kommen aus Syrien, wo seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg wütet. Es gibt aber auch viele Iraker, unter ihnen wiederum viele Kurden aus Gebieten, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert oder angegriffen werden. Mehr als die Hälfte der Lagerbevölkerung sind Frauen und Kinder.

Österreich und die Balkanländer haben ein Anti-Merkel-Konzept entwickelt.

Besteht wirklich keine Chance, dass sie irgendwann nicht doch über die Grenze nach Mazedonien gelassen werden?

Es deutet nichts darauf hin. Beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel ist zwar in der Schlusserklärung die Formulierung über die Schließung der Balkanroute auf Drängen Deutschlands abgeschwächt worden. Doch die Balkanstaaten nördlich von Griechenland sowie Österreich, das auf eine Abschottungslinie gegenüber Flüchtlingen umgeschwenkt ist, haben vollendete Tatsachen geschaffen.

Erwägt die griechische Regierung eine Räumung des Lagers Idomeni, etwa unter Berufung auf die sanitären Zustände?

Die Regierung in Athen lehnt eine Zwangsräumung unter Einsatz der Bereitschaftspolizei dezidiert ab. Vielmehr will sie die Menschen dazu überreden, auf freiwilliger Basis in Aufnahmelager zu ziehen, die über ganz Griechenland verstreut sind.

Ist das eine realistische Option?

UNO äußert massive Vorbehalte gegen Flüchtlingspakt mit der Türkei.

Theoretisch schon. Aber vorerst fehlt es an Aufnahmezentren in geeigneter Zahl und Größe. Diese würden aber derzeit aufgebaut, wird in Athen versichert. Schon jetzt kann man Busse sehen, die Menschen aus Idomeni wegbringen. Sie fahren nach Athen und werden von privaten Unternehmen betrieben. Die Menschen müssen für die mehr als 500 Kilometer lange Fahrt 25 Euro bezahlen.

Auch wenn sie in neue Aufnahmelager kommen sollten - wie soll es mit den Flüchtlingen weitergehen?

Das ist noch völlig unklar. Zumal trotz aller Absprachen mit der Türkei und trotz Nato-Einsatzes immer noch täglich bis zu 3000 Bootsflüchtlinge am Tag über die Ägäis in Griechenland eintreffen. In ganz Griechenland sitzen nach Angaben vom Donnerstag fast 42.000 Menschen fest. Griechenland, das eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise durchlebt, wird nicht in der Lage sein, auf Dauer hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen.© dpa

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Idomeni in Griechenland: Gesichter der Flüchtlingskrise

Noch immer erreichen Hunderte Flüchtlinge Griechenland. Die Lage in Idomeni bleibt kritisch.