Wenige Stunden vor dem EU-Gipfel am Mittwochabend hat CSU-Chef Horst Seehofer den ungarischen Regierungschef Viktor Orban empfangen. SPD, Linke und Grüne kritisieren das Treffen mit scharfen Worten.

Orban ist Gast auf der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. Zu Beginn zogen sich der bayerische Ministerpräsident und Orban zu einem persönlichen Gespräch zurück, insbesondere über die Flüchtlingspolitik. Anschließend ist ein Gespräch in etwas größerer Runde und dann ein Auftritt Orbans vor der Gesamtfraktion geplant.

Gegen 19 Länder wird Verfahren wegen Asylrecht eingeleitet.

Die SPD-Generalsekretärin greift die CSU wegen des Treffens scharf an: "Mit der Einladung an Viktor Orbán fällt CSU-Chef Horst Seehofer abermals Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Rücken", sagte sie "Spiegel Online".

"Das ist schlicht unwürdig"

Der stellvertretende Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte der Deutschen Presse-Agentur zu dem Besuch: "Das ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern schlicht unwürdig. Wer die europäische Idee derart mit Füßen tritt, gehört geächtet und nicht empfangen." Die CSU sei mit ihrer Einladung an Orban dabei, sich aus dem demokratischen und rechtsstaatlichen Konsens in Deutschland zu verabschieden.

Orban bleibt Asylpolitik treu - bei den Ungarn kommt das gut an.

Vor dem Tagungsort im Kloster Banz gab es Proteste. Einige Dutzend Politiker und Anhänger von SPD, Grünen und Linkspartei demonstrierten mit Plakaten, Trillerpfeifen und einem kurzen Stück Stacheldrahtzaun gegen die CSU-Einladung an Orban.

SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher sagte, die CSU suche offensichtlich die geistige Nähe zu einem europäischen Brandstifter. "Was will die CSU von Orban denn lernen? Wie man schutzbedürftige Bürgerkriegsflüchtlinge mit Tränengas, Schlagstöcken und Wasserwerfern fernhält?", fragte Rinderspacher. Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, sagte: "Man muss sich mit Herrn Orban scharf auseinandersetzen und darf ihn nicht hofieren." (cai/dpa)