Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unmittelbar vor dem Beginn des EU-Sondergipfels zur Flüchtlingskrise den anderen Regierungschefs widersprochen. Die deutsche Bundeskanzlerin stellt sich ganz klar gegen eine Schließung der Balkanroute, wie sie die EU noch am Morgen verkündet hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unmittelbar vor dem EU-Gipfel zur Flüchtlingskrise der Forderung nach Schließung der Balkanroute widersprochen. "Es kann nicht sein, dass irgendetwas geschlossen wird", sagte sie beim Eintreffen im Brüsseler Gipfelgebäude.

Nachhaltige Lösung mit der Türkei

Die Zahl der Flüchtlinge müsse nicht nur für einige Länder, sondern für alle verringert werden. Dazu sei eine "nachhaltige Lösung" gemeinsam mit der Türkei erforderlich.

Noch am Morgen hatte die EU-Staats- und Regierungschefs verlauten lassen, die Balkanroute für gesperrt erklären zu wollen.

"Diese Route ist jetzt geschlossen", heißt es in der vorbereiteten Gipfelerklärung, die der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt. Diesem Beschluss hat Merkel in Brüssel nun direkt widersprochen. Merkel setzt für eine Lösung der Flüchtlingskrise und des ungebremsten Zuzugs auf die Unterstützung der Türkei.

Flüchtlinge in der Sackgasse: Das soll der Sondergipfel bringen.

Die EU-Chefs werden auch zum zweiten Mal innerhalb von gut drei Monaten mit dem türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu zusammentreffen. Die Türkei soll Migranten ohne Asylanspruch rasch zurücknehmen.

Über Monate hinweg hat entlang der Balkanroute ein Land die Flüchtlinge zu Hunderttausenden einfach an das nächste weitergereicht. Dann gingen Stacheldrahtzäune hoch, Grenzer bezogen Stellung.

Mazedonien lässt kaum noch Flüchtlinge aus Griechenland passieren. Dort strandeten bereits Zehntausende Menschen.© dpa