Die Kanzlerin erwartet, dass viele Flüchtlings nur auf Zeit bleiben. Sie hofft auf einen Effekt wie nach dem Krieg in Jugoslawien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet mittelfristig mit einer Rückkehr vieler Flüchtlinge in deren Heimatländer.

"Wir erwarten, dass, wenn wieder Frieden in Syrien ist, wenn der IS im Irak besiegt ist, sie mit dem Wissen, das sie bei uns erworben haben, wieder in ihre Heimat zurückkehren", sagte Merkel in Neubrandenburg auf dem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommerns.

Arzt spricht in bewegendem Post über Alltag in Aufnahmelager.

Deutschland hatte im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen aufgenommen, den Großteil davon aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Die meisten Flüchtlinge reisten über die Türkei, Griechenland und die sogenannte Balkanroute ein.

Schutz von Flüchtlingen zunächst auf drei Jahre befristet

Immer wieder kommt es dabei zu Katastrophen. Vor der türkischen Ägäisküste ertranken bei einem Schiffsunglück mehr als 30 Menschen.

Die Kanzlerin setzt zur Reduzierung der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge auf eine Bekämpfung der Fluchtursachen und eine engere Zusammenarbeit mit der Türkei zur Überwachung der EU-Außengrenzen.

Zudem tritt sie für eine solidarische Verteilung der Schutzsuchenden unter den EU-Mitgliedsstaaten ein. In der Nacht auf Freitag hatten sich die Koalitionsspitzen zudem auf eine Verschärfung des Asylrechts geeinigt.

Kritikern Merkels gehen die Fortschritte zur Begrenzung des Zuzugs von Flüchtlingen nicht schnell genug. Zum Auftakt des CDU-Landesparteitags in Neubrandenburg demonstrierten etwa 200 Anhänger der rechtspopulistischen AfD gegen ihren Kurs.

Merkel sagte dort, der derzeit in Deutschland vorrangig gewährte Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention sei zunächst auf drei Jahre befristet.

Angela Merkel hofft auf Effekt wie nach Jugoslawien-Krieg

Bei allem, was an Integration zu leisten sei, müsse den Betroffenen auch klar gemacht werden, dass es sich um einen temporären Aufenthaltsstatus handele.

Die Kanzlerin fügte an, nach Ende des Jugoslawien-Krieges in den 90er Jahren seien 70 Prozent der Flüchtlinge zurückgegangen.

AfD-Chefin hält Waffeneinsatz gegen Flüchtlinge an Grenze für legitim.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière betonte in einem Interview, im Januar sei die Zahl der Menschen, die in Deutschland Aufnahme begehrten, im Schnitt auf etwa 2.000 pro Tag zurückgegangen - nach teils 10.000 im September und Oktober.

Der CDU-Politiker nannte dafür vorrangig das Winterwetter als Ursache. Mehr Anstrengungen forderte er von der Regierung in Ankara.

"Es gibt zwar schon vereinzelte Bemühungen der Türkei, die illegale Migration über die Ägäis zu unterbinden. Aber noch nicht in dem Umfang, wie es erforderlich wäre", sagte der Innenminister dem "Spiegel".

Es müsse auf jeden Fall verhindert werden, dass der Zustrom im Frühjahr wieder massiv ansteige. "Die Zeit läuft davon."© dpa