In einem Beitrag der ORF-Sendung "Report" ging es am Dienstagabend um eine rechte Strömung, die unter dem Deckmantel des Frauenschutzes gegen Ausländer vorgehen will. In der Reportage kommen Demonstranten zu Wort, Experten kommentieren ihre Haltungen.

Seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und weiteren Städten schreiben sich viele Flüchtlingsgegner den Schutz der Frauen auf die Flaggen. "Frauen schützen, Grenzen schließen", lautet ihre Parole.

Am vergangenen Samstag war die rechtsextreme "Partei des Volkes" (PDV) in der Wiener Innenstadt aufmarschiert – "gegen Flüchtlinge, gegen Überfremdung, für einheimische Werte", wie der Sprecher des Berichts die Anliegen der PDV zusammenfasst.

Was sagen die selbsternannten Frauenschützer?

"Frauen müssen sich schon fürchten", behauptet einer der Demonstranten im Interview für die ORF-Sendung "Report". Man brauche sich nur entsprechende Statistiken anzusehen: "Es ist Tatsache, dass bei uns mittlerweile schon die Kriminalität gestiegen ist".

Kölner Polizei veröffentlicht Bilder aus der Krawallnacht.

Auch ein anderer befragter Demonstrant sorgt sich um die Sicherheit der Frauen: "Es ist heute schon so weit, dass am Abend ein junges Mädchen oder eine Frau nicht mehr alleine auf der Straße gehen darf."

"Da kommen lauter junge Männer", meint ein dritter Demonstrant. "Der will Sex haben, der braucht Sex – wo nimmt er das her?"

Ein weiterer Befragter wird expliziter, um wen es eigentlich geht: Er demonstriert, weil "die Muslime herkommen und sich an unseren Frauen vergreifen".

Nicht nur bei dieser Demonstration wird entsprechende Stimmung gemacht: Das Team Stronach verteilt zum Weltfrauentag Pfefferspray an Frauen auf der Straße.

Ein Parteimitglied erklärt, es handle sich hierbei um "Notwehrpolitik": "Der Staat hat eine Aufgabe, nämlich für Sicherheit zu sorgen. Das macht der Staat anscheinend nicht mehr, und jetzt müssen sich die Bürger leider mit Notwehrmaßnahmen helfen."

Wie stufen Experten diese Haltungen ein?

"Sie instrumentalisieren diese sexuellen Übergriffe gegen Frauen für ihre Anti-Immigrationspolitik", erklärt Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer. Der Frauenschutz diene hier nur als Argument gegen Ausländer: "Sie münzen das, was da passiert ist, in einen antimuslimischen Rassismus um".

Männerforscher Erich Lehner erinnert daran, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur von Ausländern verübt wird und männliche Dominanz auch in unserer Kultur verankert ist.

Slowenien und Serbien lassen nur noch Menschen Visa ins Land.

"Es ist ein Phänomen, das die arabische Welt und die westliche Welt, Europa, verbindet", sagt er: In beiden Männlichkeitsbildern sei das Element der Unterordnung der Frau vorhanden.

Lehner erklärt: "Was jetzt notwendig wäre, ist, dass wir genau überlegen: Wie kam es Silvester dazu, was steht hinter dem Phänomen?"

Dann müssten entsprechende Maßnahmen gesetzt werden: "Mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, aber auch mit unseren sexistischen, gewalttätigen Männern".

Was halten die Demonstranten von Frauenrechten?

Die Emanzipation, erklärt einer der Wiener Demonstranten, sei "komplett für den Arsch. Nur durch die Emanzipation sind wir schon so weit gekommen – weil die Frauen jetzt auch alle arbeiten wollen".

Ein Demonstrant wird nach der Nationalhymne befragt, in der mittlerweile die "Söhne und Töchter" Österreichs besungen werden. "Des is ma wuascht, die Töchter san ma wuascht", echauffiert er sich.

Wie erkenntnisreich ist der Beitrag?

Ein Beitrag von sieben Minuten Länge kann das Thema natürlich nur ankratzen. Die Demonstranten werden so gezeigt, dass man einen Eindruck bekommt, wie schlecht durchdacht und plump ihre Haltungen sind – vor allem, wenn sie nach Emanzipationsthemen befragt werden. Sie sind eher zu belächeln als ernst zu nehmen.

Schade ist dennoch, dass die von den beiden Experten angerissenen Gedanken nur oberflächlich erwähnt bleiben. Vor allem bei den Beobachtungen von Erich Lehner hinsichtlich der patriarchalischen Ähnlichkeiten in den Kulturen wäre eine Vertiefung interessant und wünschenswert.

Ein Beitrag der ORF-Sendung "Thema" widmet sich dem griechischen Dorf Idomeni, in dem über 10.000 Flüchtlinge festsitzen und vergeblich versuchen, über eine der Balkanrouten in die EU zu gelangen.