Athen (dpa) - Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland dauert unvermindert an. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kamen seit Jahresbeginn bis zum 27. Januar knapp 50 700 Flüchtlinge und Migranten in dem EU-Land an - trotz der Gefahren einer Bootsüberfahrt im Winter.

Zum Vergleich: Im Juli 2015 hatten 55 000 Migranten von der Türkei zu griechischen Inseln übergesetzt.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) zählte im Januar im Tagesschnitt 2000 Flüchtlinge auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa. Das seien so viele wie im gesamten Januar 2014, teilte die Organisation am Freitag in Genf mit. Bis zum 28. Januar seien 52 055 Bootsflüchtlinge in Griechenland und 3473 in Italien angekommen.

Die Türkei hatte im November der EU versprochen, den Zustrom von Flüchtlingen zu reduzieren. Bis zum 28. Januar kamen laut IOM mindestens 244 Menschen bei dem Versuch ums Leben, Europa auf dem Seeweg zu erreichen. 2015 seien es im gleichen Zeitraum 82 gewesen, 2014 nur 12. Am Donnerstag waren vor der Insel Samos 26 Flüchtlinge ertrunken, nach mehreren Vermissten wurde am Freitag weiter gesucht. Ein mutmaßlicher Schleuser sei festgenommen worden, teilte die Küstenwache mit.

Ungarns Regierungschef Viktor Orban wertete den Flüchtlingsandrang als Gefahr für die Sicherheit Europas. "Die Terrorgefahr steigt; die öffentliche Ordnung verschlechtert sich", warnte er am Freitag in Sofia nach einem Treffen mit seinem bulgarischen Kollegen Boiko Borissow. Borissow erklärte: "Die EU-Außengrenzen sollen unverzüglich geschlossen werden." Bulgarien verlängert gegenwärtig einen Grenzzaun zur Türkei, um die Migranten zu Grenzübergängen zu schleusen, wo sie registriert werden können.© dpa